"Slim Fast mit Turbo-Effekt"

25. September 2002, 13:43
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TV-Unternehmen suchen wirtschaftliches Idealgewicht - "Schlanker werden" durch Kostenreduktionen - Aber: Inhalte für Werbewirtschaft wichtiger denn je

Figurbewusstsein ist bei den europäischen TV-Unternehmen angesagt: "Schlanker werden" sei die Devise in schwierigen Zeiten, war am Mittwoch der Grundtenor bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Österreichischen Medientage in Wien. "Wer ordentlich schlank ist, wird mit dieser Schlankheit dann wahrscheinlich ordentlich dastehen und den Überlebenskampf nicht nur gewonnen haben, sondern vielleicht sogar verstärkt in der neuen Konkurrenzsituation dastehen", sagte Hans Mahr, Info-Chef von RTL. Bei allen Bestrebungen nach dem wirtschaftlichen Idealgewicht dürfe die Industrie allerdings nicht die Inhalte vernachlässigen, gab Jan Mojto, früherer Kirch-Manager und jetzt TV-Produzent, zu bedenken.

"Zu wenig Augenmerk auf Inhalte"

"Heute ist man vom Primat des ausschließlich wirtschaftlichen Denkens überzeugt", so Mojto. Den Inhalten dagegen werde oft zu wenig Augenmerk geschenkt. "Die Industrie kann aber nur reüssieren, wenn beide Seiten berücksichtigt werden."

"Slim Fast mit Turbo-Effekt"

Dennoch: "Slim Fast mit Turbo-Effekt" ist allerorten angesagt, wie es Premiere-Chef Georg Kofler ausdrückte. Beim krisengeschüttelten Pay-TV-Sender stehe man gerade in einem "radikalen Umbau": "Die Kosten waren derart exorbitant außerhalb des Rahmens und in einem Missverhältnis zum Umsatz, dass wir nur die Chance hatten, entweder ganz schnell das Licht auszumachen oder eine ganz radikale Neuorientierung und Neustrukturierung vorzunehmen. Wir haben als neue Geschäftsführung diesen Weg gewählt." Nun habe Premiere "die gesündeste Kostenstruktur" aller europäischen Pay-TV-Anbieter. Statt 2.400 Mitarbeitern werken noch 1.200 Angestellte, wenn man auch nicht nur Stellen gestrichen, sondern auch ausgelagert habe, wie Kofler betonte.

"Phase der Restrukturierung"

Eine "Phase der Restrukturierung" werde auch am öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht vorbeigehen, sagte Alexander Wrabetz, Kaufmännischer Direktor des ORF. Auch er sieht eine "Renaissance des Begriffs Kernkompetenz und Kerngeschäft". Zugleich zeige sich, dass das Fernsehen "das Leitmedium der Werbung bleibt". Wrabetz vertrat die Ansicht, "dass die Aussichten für öffentlich-rechtliches Fernsehen in letzter Zeit nicht schlechter geworden sind." Auf Dauer nämlich würden nur integrierte Medienunternehmen reüssieren können, die große Senderfamilien haben. Daher sehe er auch kaum Potenzial für privates österreichisches Fernsehen: "Das ist eine Entwicklungsstufe der Menschheitsgeschichte, die Österreich übersprungen hat." Vielmehr könne der Trend dahin gehen, dass deutsche Senderfamilien "Ableger" in Österreich gründen könnten.

"Renaissance der klassischen Markenartikel"

Gute Nachrichten für die Medienbranche verkündete Klaus-Peter Schulz, Geschäftsführer der Mediaagentur OMD: Er konstatierte eine "Renaissance der klassischen Markenartikel" und steigende Investitionen des Handels in Werbeaktivitäten. Werbeblöcke alleine reichen seiner Ansicht nach aber nicht aus: "Content ist aus Sicht der werbetreibenden Wirtschaft wichtiger denn je", so Schulz. Generell sieht er die Talsohle erreicht: "Wir halten die Rezession für gestoppt."

Eine optimistische Diagnose, die für Mahr aber nicht nur Positives impliziert: "Die Rezession ist gestoppt - aber das kann funktionieren wie eine Betonplatte: Man fällt herunter und prallt auf. Das ist noch immer nicht sehr angenehmen." (APA)

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