Vitamine keine Wunderwaffe gegen Alterserblindung

29. September 2002, 12:00
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Sie helfen nur wenigen - und Raucher sollten hohe Vitamin-Dosierungen ohnehin vermeiden

Berlin - Augenärzte haben vor dem Einsatz hochdosierter Vitamine als Allheilmittel gegen Alterserblindung gewarnt. "Nur fünf bis zehn Prozent der Menschen mit altersbedingter Netzhautdegeneration kommen für eine Vitamintherapie in Frage", betonte die Präsidentin der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft, Gabriele Lang von der Universität Ulm am Mittwoch in Berlin. Eine US-Studie hatte kürzlich gezeigt, dass hohe Vitamindosen den Verlauf des Netzhautabbaus im Alter verzögern können.

Studienergebnisse

Die so genannte ARED-Studie (Age Related Eye Desease) mit 3.600 Patienten zeigte, dass sich die Verschlechterung der Sehfähigkeit um 25 Prozent vermindern lasse. Die Probanden erhielten viel Vitamin C, E und Beta-Karotin sowie Zink und Kupfer. Bei Rauchern könne sich wegen des Beta-Carotins jedoch Lungenkrebs entwickeln, sagte DOG-Generalsekretär Anselm Kampik (Universität München). Daher sei diese Therapie für Raucher nicht geeignet.

"Die wichtigste Prophylaxe nicht nur für Sehbehinderung ist immer noch eine gesunde Ernährung", betonte Lang. Die zusätzliche Einnahme von Vitaminen hebe auch nicht die Empfehlung auf, fünf Mal täglich Gemüse und Obst zu essen. Vitamine heben teilweise die Wirkung so genannter Oxidantien (Sauerstoffradikale) auf, die das Gewebe schädigen.

Die DOG

Weltweit arbeiten derzeit elf Forschungsgruppen verschiedener Fachrichtungen an der Entwicklung künstlicher Netzhaut, berichtete Lang. "Wir stehen an den Anfängen. Es funktioniert im Prinzip, aber die künstliche Netzhaut wird noch keineswegs in der Praxis angewandt", ergänzte Kampig. Augenärzte hoffen, mit dieser Methode Blinden eine Sehkraft von bis zehn Prozent verschaffen zu können.

Die 1857 gegründete DOG ist die älteste ärztliche Fachgesellschaft der Welt. Ihr gehören 4.200 Augenärzte an. Von diesem Donnerstag an treffen sich in Berlin rund 4.000 Fachärzte aus fast 50 Ländern zur 100. Jahrestagung der DOG. (APA/dpa)

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