Pauschalreisen neu verpackt

25. September 2002, 13:50
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Die Touristikkonzerne TUI und Thomas Cook wollen weg vom Ruf des Masseveranstalters - "flexible Veranstalterreisen" sollen das Image korrigieren

Wiesbaden - Die großen deutschen Touristikkonzerne TUI und Thomas Cook wollen weg von ihrem Image des starren Massenveranstalters und hören das Wort "Pauschalreise" nur noch ungern. Der zunehmend reiseerfahrene Urlauber hat geänderte Ansprüche und verzichtet auf Urlaub von Stange. Auf streng vorgegebene Anreisetage und Übernachtung in Bettenburgen möchten sich viele Reisende nicht mehr einlassen, erklären deutsche Tourismusforscher.

Die renommierten Reisekonzerne sprechen lieber von einer flexiblen "Veranstalterreise", erklärt TUI-Deutschland-Chef Volker Böttcher. Zwar kommt rund die Hälfte aller Reisen mit sogenannten Pauschalangeboten zu Stande, doch eine starre Massenabfertigung gebe es schon längst nicht mehr. "Der Kunde will eine Pauschalreise, aber sie soll um Gottes Willen nicht so heißen", sagt Peter Fankhauser, Vorstand des Konkurrenten Thomas Cook ("Neckermann").

Sparsame oder Individualisten fahren lieber auf eigene Faust im Auto in die Sonne, statt Flug und Hotel im Reisebüro fest zu buchen. Der Boom der Billigflieger dürfte den Trend zur kurzentschlossenen Reise beschleunigen, so die Experten.

"Bausteine" lautet eines der neuen Zauberwörter, mit denen spezielle Kundenwünsche besser bedient werden sollen. Urlauber buchen einen Flug und unabhängig davon das Hotel, Ausflüge oder Mietwagen und bauen sich eine Veranstalterreise zusammen - mehr Möglichkeiten zur Kombination, was für den drittgrößten deutschen Touristikverbund Rewe allerdings schon jetzt nichts Neues ist.

Für die Veranstalter bedeute dies aber einen erheblichen Aufwand, welcher die Kunden auch etwas mehr kosten dürfte. Denn bei standardisierten Produkten ist die Auslastung von Ferienfliegern und Hotels leichter zu planen, Reisebüros kommen mit weniger Beratung aus. Nötig wären daher komplizierte neue Buchungssysteme, erwartet Fankhauser.

Der Boom der aufstrebenden Preisdrücker berge aber auch Gefahren für die Touristik, warnt der Präsident des Deutschen Reisebüro- und Reiseveranstalterverbands, Klaus Laepple. Wenn Fliegen fast nichts mehr koste, bekämen Kunden normaler Pauschalreisen womöglich das Gefühl, über den Tisch gezogen zu werden.

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