Sex, Drugs und Bilanzfälschung

25. September 2002, 18:19
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Nach Enron und WorldCom droht nun der Musikindustrie Ungemach – Musiker üben Kritik an der Buchhaltungspraxis der Labels

Los Angeles/Wien – „Ich bin zuversichtlich, dass das Schlimmste der Unternehmensskandale hinter uns liegt", gab sich US-Finanzminister Paul O´Neill am Dienstag zuversichtlich. Wie das „Wall Street Journal“ berichtet, droht unterdessen der Musikindustrie wegen ihrer Buchhaltungspraxis Ungemach. Eine Reihe prominenter Musiker, unter ihnen Eagles-Gitarrist Joe Walsh, Madonna, Beck, Sheryl Crow und der Hinterhof-Barde Tom Waits, zitierten am Dienstag Manager der Plattenindustrie in Kalifornien vor Gericht. Der Grund: Die Buchhaltung der Labels ist nach Meinung der Künstler ungerecht und widerspricht in vielen Fällen allgemein gültigen Standards.

Millionen-Dollar-Schaden

Durch Buchhaltungsfehler und vage formulierte, antiquierte Abrechnungsformeln, argumentieren die Musiker, würden sie jährlich um mehrere Millionen Dollar an Tantiemen betrogen werden und verlangen strenge Strafen für die Verantwortlichen. Solange die Falschbuchungen nicht sanktioniert werden, meinen die Anwälte der Künstler, bestehe für die Industrie kein Anreiz für eine korrekte Buchführung. Die Musikindustrie argumentiert indes, dass sich bei mehreren hunderttausend Tantiemenabrechnungen pro Jahr Fehler nicht vermeiden lassen. Von einer „absichtlichen Täuschung“ wollen die Industrieanwälte nichts wissen.

Außergerichtliche Einigungen

In der Vergangenheit wurden Streitigkeiten um fehlerhafte Buchungen vielfach durch außergerichtliche Einigungen beigelegt. Davon profitierten vor allem die „großen Namen“. So einigte sich etwa Hole-Sängerin Courtney Love unlängst in einem ähnlichen Fall mit Vivendi-Universal. Auch Country-Star LeAnn Rimes legte eine Klage gegen ihre Plattenfirma Curb Records wegen „systematischen Diebstahl“ außergerichtlich bei. Weniger prominente Musiker mussten hingegen vielfach wegen der exorbitant hohen Anwaltskosten auf halber Strecke aufgeben. Das soll sich nach dem Willen der „Recording Artists Coalition“ nun ändern.

Branche im Tief

Der kollektive Aufstand der Musiker kommt für die ohnehin stark gebeutelte Branche zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Im vergangenen Jahr ging der Tonträgerabsatz in den USA um 10,3 Prozent zurück. (red)

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    Kritisiert die Buchhaltungspraxis der Musikindustrie: Beck.

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