Palästinensischer Geheimdienstchef verweigert Kapitulation

25. September 2002, 12:20
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Tafik Tirawi: "Arafat und ich werden bis zur letzten Minute kämpfen"

Jerusalem - Der im belagerten Amtssitz von Präsident Jassir Arafat verschanzte palästinensische Geheimdienstchef Tafik Tirawi will unter keinen Umständen kapitulieren. "Yasser Arafat und ich werden bis zur letzten Minute kämpfen", sagte Tirawi in einem am Mittwoch veröffentlichten Zeitungsinterview. Er gehört zu insgesamt etwa 50 Personen in Arafats Hauptquartier in Ramallah, die Israel wegen Terrorverdachts sucht. Jüdische Siedler gaben unterdessen die Gründung einer neuen Siedlung im Herzen des Westjordanlandes bekannt.

Tirawi sagte der israelischen Tageszeitung "Maariv", er habe das Recht und die Pflicht, sich selbst zu verteidigen. Israel könne zwar ihn und Arafat töten, jedoch niemals das palästinensische Volk vernichten. Tirawi machte den israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon für die Gewalt verantwortlich, der Friedensverhandlungen mit den Palästinensern verweigere.

Tirawi hält sich zusammen mit etwa 200 weiteren Palästinensern in Arafats seit knapp einer Woche belagertem Amtssitz auf. Israel nannte ihn mehrfach als meistgesuchten Terroristen und beschuldigt ihn, an Angriffen beteiligt gewesen zu sein, bei denen insgesamt sechs Israelis getötet wurden. Ungeachtet internationalen Drucks wollen die israelischen Streitkräfte die Belagerung erst nach einer Kapitulation Tirawis und anderer gesuchter Palästinenser beenden. Das Hauptquartier ist bereits zum Großteil zerstört.

Wie Siedlerführer Nati Jisraelis mitteilte, wurde nahe der palästinensischen Stadt Nablus die neue jüdische Siedlung Rehalim mit 14 Häusern eingerichtet, in denen insgesamt 24 Familien untergebracht werden sollten. Später seien eine Erweiterung von Rehalim sowie weitere Besiedlungen geplant. Das israelische Verteidigungsministerium erklärte, der Regierung sei die Gründung einer neuen Siedlung nicht bekannt.

Der palästinensische Kabinettsminister Saeb Erakat verurteilte die Gründung der Siedlung und kündigte Protestschreiben an die USA und europäische Staaten an. Die israelische Regierung hatte erklärt, bestehende jüdische Siedlungen in den palästinensischen Gebieten zwar erweitern, jedoch keine neuen errichten zu wollen. Im Westjordanland und im Gazastreifen leben insgesamt mehr als 200.000 jüdische Siedler.(APA/AP)

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