Kaprun-Prozess: Monteure von Türen im Alpincenter im Zeugenstand

25. September 2002, 11:40
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Brandschutztür geht im Notfall zu, Fluchttüre im Notfall auf

Salzburg - Mit der Befragung von zwei Monteuren, die im Sommer 2000 Brandschutz- und Fluchttüren im umgebauten Alpincenter installiert hatten, wurde heute, Mittwoch, der Kaprun-Prozess fortgesetzt. Dabei ging es vor allem um die Frage, welche Funktionen die Türen zu erfüllen hatten und darum, ob eine Brandschutztür nach dem Öffnen mehrfach schließen muss oder nicht. "Eine Brandschutztür geht im Notfall zu, eine Fluchttür im Notfall auf", erläuterte ein 33-jähriger Monteur.

Ob eine Brandschutztüre erneut zugehen müsse, wenn sie im Notfall nach dem ersten Schließvorgang wieder geöffnet werde, wisse er nicht, sagte der Zeuge: "Sie muss schließen. Ob sie einmal oder zehn Mal schließen muss, weiß ich nicht." Der Monteur konnte sich an ein Gespräch anlässlich der Montage der Türportale im Bereich der Bergstation des ankommenden Zuges erinnern, bei dem auch der Betriebsleiter der Gletscherbahn Kaprun sowie der mit dem Umbau befasste Baumeister anwesend waren. Dabei habe man erklärt, dass es sich bei einer Tür in der Bergstation um eine Brandschutztür und keine Fluchttür handle und den Unterschied erklärt. Daraufhin habe man darüber beraten, ob es möglich sei, die Schlösser auszubauen, damit die Tür wenn sie zugeht nicht verriegelt. Nach einer Rückfrage bei seiner Firma sei nach einigen Tagen die Meldung gekommen, dass der Ausbau der Schlösser möglich sei, gab der Zeuge an.

Fahrlässige Gemeingefährdung

Sein Kollege konnte sich erinnern, dass die Schlösser auf Wunsch des Betriebsleiters der Gletscherbahnen ausgebaut worden seien. Auch er konnte nicht sagen, ob sich die Brandschutztür nach dem händischen Aufdrücken nochmals schließen müsse.

Im Kaprun-Prozess wirft die Anklage drei von insgesamt 16 Beschuldigten fahrlässige Gemeingefährdung vor. Sie sollen verantwortlich sein für den Einbau - bzw. für die Abnahme - einer Brandschutztür verantwortlich sein, deren Steuerung nach einer manuellen Öffnung nicht automatisch nochmals schließt. Weil diese Steuerung fehlte, konnte Rauch ins Alpincenter eindringen. In diesem Bereich starben bei der Brandkatastrophe am 11. November 2000 in der Gletscherbahn Kaprun drei der insgesamt 155 Opfer.

Die Verhandlung wurde nach der Einvernahme der beiden Zeugen kurz nach 10.00 Uhr beendet. Der Prozess wird am kommenden Montag mit der Befragung von weiteren Zeugen - geladen sind wieder Mitarbeiter der Kriminaltechnischen Zentralstelle - fortgesetzt. (APA)

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