Für Motorradfahrer ist der Herbst gefährlicher als der Frühling

25. September 2002, 11:36
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Bikers Project: Höhere Sicherheitsreserve einkalkulieren

Wien - Viele Biker denken Ende September schon ans Einwintern und das Saisonende. Trotzdem starben im Vorjahr allein im Herbst 15 Zweiradlenker, warnte die Motorrad-Sicherheitsinitiative "Bikers Project" heute, Mittwoch, in einer Aussendung. Insgesamt sind heuer bis zum 22. September 85 Motorradfahrer verunglückt, acht weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Ein Rückgang um zehn bis 15 Prozent wird für heuer erwartet.

"Wer auch in der kühleren Jahreszeit einspurig unterwegs ist, muss eine noch höhere Sicherheitsreserve einkalkulieren", sagte Bikers Project-Koordinator Michael Praschl. Die Einspurigen sollten sich bewusst sein, dass nicht nur die Straße im Herbst mehr Gefahren bergen. Auch die eigenen Fähigkeiten sind durch die kalte Witterung deutlich eingeschränkt.

Rutschige Fahrbahn

Nasses Laub, aber auch etwa zerquetschte Kastanien machen die Fahrbahn besonders rutschig, hieß es. Schon einige Blätter können in einer zügig gefahrenen Kurve zum Sturz führen. Feucht ist Laub genauso rutschig wie Glatteis, warnte Praschl.

In Walddurchfahrten bleiben die Straßen nach einem Regen stundenlang feucht, während auf freier Strecke längst alles trocken ist. Wer damit nicht rechnet, kann zumindest in ernste Schwierigkeiten kommen. Bei niedrigen Temperaturen ist auch die Haftung der Reifen schlechter, da die Gummimischungen meist für sommerliche Temperaturen optimiert sind. Selbst ein leichter Rutscher kann auch auf trockener Fahrbahn schnell ins "Out" führen.

Kälte und tiefe Temperaturen setzen die Reaktionsfähigkeit des Fahrers deutlich herab, so Bikers Project. Tränende Augen und klamme Finger tragen nicht zur Sicherheit bei. Wird am frühen Nachmittag bei noch angenehmen Temperaturen losgefahren, kann es wenig später schon unangenehm kühl werden. Wenn es kalt wird, das Fahren keinen Spaß macht und man möglichst rasch nach Hause will, dann werden Biker aber oft unkonzentriert.

Die tiefstehende Sonne kann zu sekundenlangen Blindflügen führen, warnte Praschl. Immer wieder kommt es zu schweren Unfällen, weil Fahrbahnverschmutzungen oder Kurven zu spät erkannt werden.

Eine große Gefahr im Herbst liegt aber auch darin, dass manche Biker noch einmal so richtig die Kraft, Dynamik und das "Adrenalin" spüren möchten. Dabei gehen sie leider manchmal auch ein viel zu hohes Risiko ein.

Gelegentlich wird im Herbst aber auch noch mit Fahrzeugen gefahren, die eigentlich schon längst ein Service nötig hätten, so Praschl. Mit Reifen, deren Profiltiefe knapp am gesetzlichen Limit liegt und mit Bremsbelägen, die hauchdünn sind, steigt auch die Unfallgefahr. (APA)

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