SPD-Voigt: "Schaden im Verhältnis Deutschland-USA behebbar"

25. September 2002, 11:34
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Deutschland will sich um Schadensbegrenzung bemühen

Berlin - Der wegen der Kritik der deutschen Regierung an der amerikanischen Irak-Politik eingetretene Schaden im Verhältnis zu den USA ist nach Einschätzung des Koordinators für die deutsch-amerikanischen Beziehungen, Karsten Voigt (SPD), behebbar. Voigt sagte am Mittwoch im ARD-Fernsehen, vor allem die deutsche Seite müsse sich nun um Schadensbegrenzung bemühen. Die USA müssten sich ihrerseits bemühen einzusehen, dass Deutschland den Schaden begrenzen wolle.

Beim deutschen Nein zu einem möglichen Irak-Krieg der USA handle es sich nicht um Anti-Amerikanismus, sondern um die Debatte über ein einzelnes Thema, in der es zwischen den Partnern Differenzen gebe. Die Regierung habe Fragen gestellt, die auch von einem Teil der amerikanischen Gesellschaft gestellt würden. Für Präsident George W. Bush sei es schmerzhaft, dass die Fragen, die er aus der US-Gesellschaft höre, nun auch von einem engen Verbündeten gestellt würden.

Jeder, der eine Lösung anbiete, den irakischen Präsidenten Saddam Hussein ohne einen Krieg zu entmachten, finde in den USA Gehör, sagte Voigt weiter. Das gelte auch für denjenigen, der eine "stabile Alternative" zu Saddam anbiete. Deutschland müsse aber mehr als bisher deutlich machen, "dass Saddam Hussein ein verbrecherisches Regime" führe.

Die im Wahlkampf geäußerte Kritik von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) an einem möglichen Irak-Krieg und angebliche Äußerungen der scheidenden Justizministerin Herta Däubler-Gmelin, die Bush mit Adolf Hitler verglichen haben soll, hatten in USA für Verärgerung gesorgt. In Kreisen der US-Regierung hatte es am Dienstag geheißen, der Zorn vor allem über Däubler-Gmelin sei noch nicht verraucht. Schröders Versuch einer Entschuldigung sei eine "Nicht-Ablehnung" der angeblichen Äußerungen Däubler-Gmelins. Niemandem habe die demagogische Art Schröders gefallen, mit der er Anti-Amerikanismus benutzt habe, um Stimmen zu gewinnen, hieß es weiter. "Niemand mochte es, aber wir haben nichts gesagt. Aber Hitler? Hitler?" Man sei zwar nicht der Meinung, Schröder habe die Ministerin zu der Äußerung angestiftet. Doch er habe ein Klima geschaffen, "in dem jeder Linke auf einen billigen Effekt setzen konnte". Anders als üblich hatte die US-Regierung Schröder nicht zu seinem Wahlsieg gratuliert. (APA/Reuters)

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