Politisches Kaiserwetter in Rom

25. September 2002, 19:51
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Ungetrübter Besuch Klestils bei Ciampi - mit Kommentar

Keine Wolke trübt derzeit die italienisch-österreichische Freundschaft. So war der römische Himmel blau, und am Dach des Quirinalspalastes flatterten weithin sichtbar die Fahnen beider Länder, als die Präsidenten Thomas Klestil und Carlo Azeglio Ciampi an den hoch zu Pferd angetretenen Kürassieren vorbeidefilierten. "Wir sind Freunde und Präsidenten befreundeter Völker", versicherte Ciampi.

31 Jahre liegt der letzte Staatsbesuch eines österreichischen Präsidenten in Italien zurück. Damals hatte man gerade das Südtirol-Paket auf den Weg gebracht. Dienstagabend rühmten es beide als Vorzeigemodell für die Lösung von Minderheitenkonflikten. Ciampi sprach vom internationalen Modell "Alto Adige/Südtirol". Aber Klestils Wunsch nach einer Begnadigung der zu lebenslänglicher Haft verurteilten Attentäter konnte er nicht erfüllen.

Keine Begnadigungen

"Innenpolitische Probleme" machte Klestil dafür verantwortlich. Im Klartext: Die Rechtspartei Alleanza Nazionale hatte sich quer gelegt. Das heißt: Die nach den Anschlägen der 60er-Jahre nach Österreich geflüchteten "Pusterer Buam" Siegfried Steger, Josef Forer, Erich Oberleiter und Heinrich Oberlechner müssen dort bleiben.

Die gemeinsame Erklärung beider Präsidenten schwärmt von der "Qualität und Dichte unserer Beziehungen". Das Transitproblem wird darin mit dem Satz umschrieben: "Wir müssen uns dafür einsetzen, die Zielsetzungen der Handelsentwicklung und der Freizügigkeit mit dem Umweltschutz in Einklang zu bringen." Im Quirinal, wo bereits Päpste, Napoleon und die italienischen Könige residierten, versuchte Wirtschaftsminister Martin Bartenstein beim Galadiner einen ersten Anlauf. Bei Ravioli mit Spinat und Topfen, Butt und Steinpilzen ebnete er beim uneinsichtigen Verkehrsminister Pietro Lunardi das Terrain in Sachen Transit. Den Rest überließ er Mathias Reichhold, der wegen FPÖ-Interna erst Mittwoch in Rom eintraf.

Speisen mit Berlusconi

Susanne Riess-Passer nahm zum ersten (und wohl letzten) Mal an einem Staatsbesuch Klestils teil. Sie traf mit Vizepremier Gianfranco Fini zusammen. Die Minister Herbert Scheibner, Martin Bartenstein, Mathias Reichhold sprachen mit ihren italienischen Kollegen. Alle zusammen speisten mit Silvio Berlusconi, der Klestil und Entourage in der Villa Doria Pamphili zum Essen lud.

Klestil besuchte auch die Präsidenten von Kammer und Senat, Roms Bürgermeister und gab einen Empfang für Staatspräsident Ciampi. Der Präsidentenkonvoi bekam den Streik der Nahverkehrsbetriebe zu spüren: Roms Verkehr war noch chaotischer als sonst. Das konnte die verbal strapazierte österreichisch-italienische Freundschaft. aber nicht beeinträchtigen.

So bleibt am Ende des Besuchs nur ein kleiner, durchaus überhörbarer Schönheitsfehler: Die italienische Militärkapelle spielte die österreichische Hymne zu langsam. Aber das könnte in 31 Jahren wieder wettgemacht werden. (DER STANDARD, Printausgabe, 26.9.2002)

Gerhard Mumelter aus Rom

Kommentar

Freundschaft im Transit"
von Christoph Prantner

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    "Unsere Beziehungen haben volle Reife und Vitalität erreicht", freut sich der italienische Staatspräsident Azeglio Ciampi (re.) mit Bundespräsidenten Thomas Klestil.

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