Studie deckt Konflikte von Schulverweigerern auf

25. September 2002, 12:21
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Betroffene Kinder mit der permanenten Abwehr innerer Konflikte beschäftigt

Frankfurt/Main - Die meisten Schulverweigerer sind aus Sicht der Psychoanalytikerin Prof. Marianne Leuzinger-Bohleber mit der permanenten Abwehr innerer Konflikte beschäftigt. "Manche Kinder bekämpfen ihre Ohnmachtsgefühle mit Allmachtshandlungen", erklärte die stellvertretende Direktorin des Frankfurter Sigmund-Freud-Instituts die Aggression solcher Kinder. "Konfliktgeschichten nicht beschulbarer Jugendlicher" heißt eines der Themen einer am Donnerstag beginnenden internationalen Tagung von Psychoanalytikern in Frankfurt.

Leuzinger-Bohlebers Erkenntnisse basieren auf einer Studie mit Frankfurter Kindern, die vor Ende der Schulzeit entlassen wurden, "weil alle Institutionen vor ihnen kapitulierten". "Viele dieser Kinder sind schwer traumatisiert, sie haben in der Kindheit Erfahrungen gemacht, die sie nicht verarbeiten konnten", erklärte die Analytikerin. "Traumatisierte Kinder machen alles, um sich nicht mehr passiv zu fühlen."

Lebensläufe

Ein Bub etwa sei als Baby von den überforderten Eltern misshandelt, danach mehrfach zwischen dem Heimatland der Eltern und Deutschland hin und her geschoben worden. Er habe zwei beinahe tödliche Unfälle überlebt und kaum je mit jemandem über seine Ängste reden können.

In der noch nicht abgeschlossenen Studie werden die Lebensläufe zehn solcher Kinder beleuchtet: Soziologen befragen Kindergärtnerinnen, Lehrer und Betreuer; Psychoanalytiker das Kind und seine Familie. Federführend sind die Forscher Angelika Wollf und Thomas von Freyberg. Erstmals werde in solch einer Studie ein "unbeschulbares" Kind in seiner Ganzheit wahrgenommen, sagte Leuzinger-Bohleber, eine der Mitverantwortlichen der Studie.

Natürlich seien Lehrer mit solchen Kindern überfordert, sagte Leuzinger-Bohleber. Dennoch sei die Schule die letzte Institution, die auf diese Kinder Zugriff habe. Wenn es gelinge, solche Kinder frühzeitig zu behandeln, könne nicht nur seelisches Leid verhindert werden. Die Gesellschaft könne auch viel Geld sparen, weil später die Behandlung einer schwer wiegenden psychischen Erkrankung, Straffälligkeit oder eine Drogenkarriere verhindert werden könnten. (APA/dpa)

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