Mobilkom mit UMTS "on Air" - Erstes nationales Netz Europas

25. September 2002, 15:16
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Testbetrieb in allen Landeshauptstädten außer Salzburg - Kommerzieller Start erst 2003

Österreich feiert eine Europa-Premiere im Mobilfunk. Als erstes Unternehmen hat Österreichs größter Mobilfunker Mobilkom, Tochter der börsennotierten Telekom Austria am Mittwoch ein nationales UMTS-Netz in Betrieb genommen. Mit den Worten "Das A1-Netz ist on Air" gab Mobilkom-Chef Boris Nemsic den Startschuss für ein UMTS-Netz, das bereits alle Landeshauptstädte außer Salzburg und zusätzlich Traun, Wels und Villach umfasst. Bis Jahresende will die Mobilkom über 1.000 Basisstationen bereits 40 Prozent der heimischen Bevölkerung mit UMTS erreichen.

Klasnic calling

In Betrieb genommen wurde das Netz mit einem Anruf in die Steiermark. Die Steirische Landeshauptfrau Waltraud Klasnic sprach im Telefonat mit Mobilkom-Chef Nemsic von einem "besonderen Augenblick", den man möglicherweise "mit der Mondlandung vergleichen" könnte.

"In drei bis sechs Monaten"

Neben Nemsic und Klasnic werden vorerst allerdings nur eine Hand voll Leute UMTS nutzen können, denn derzeit gibt es nur Prototypen von UMTS-Handys. Sobald die ersten 1.000 UMTS-Geräte geliefert werden, soll der offizielle Testbetrieb starten, der kommerzielle Start wird "in drei bis sechs Monaten" angepeilt, wenn die UMTS-Geräte dann in "ausreichender Zahl und entsprechender Qualität und Vielfalt" vorhanden sind, betonte Nemsic bei einer Pressekonferenz.

72 Millionen Euro schon investiert

Investiert hat die Mobilkom in UMTS bisher rund 72 Mill. Euro, für den Gesamtausbau erwartet Nemsic bis 2010 Kosten von 600 bis 700 Mill. Euro – für den Mobilkom-Chef eine "normale, bewältigbare" Summe. "Die Mobilkom wird auch mit UMTS weiter profitabel sein", unterstrich Nemsic.

Tarife?

Ob sich UMTS von Anfang an auch für die Kunden rentiert, ist allerdings fraglich. Die Tarife und Verrechnungsmodelle will die Mobilkom noch nicht verraten. Die ersten Geräte werden laut Mobilkom-Marketing-Chef Hannes Ametsreiter zwischen 800 und 1.000 Euro kosten. "Wir erwarten aber einen drastischen Preisverfall in den nächsten Jahre. Für 2004 rechnen wir mit einem Durchschnittspreis von 300 bis 400 Euro", so Ametsreiter.

ZiB vor der TV-Ausstrahlung

Der Mehrwert für den Kunden bei UMTS liegt vor allem im mobilen Informationszugang und der Videoübertragung. Dank der deutlich höheren Bandbreite wird das Handy zum Bildtelefon und können ganze Videos auf das Display übertragen werden.

So wird der ORF etwa zu Beginn drei Mal am Tag einen News-Flash anbieten, über den kurze "ZiB"-Beiträge bereits eineinhalb Stunden vor der Ausstrahlung im Fernsehen auf das Handy verschickt werden. Außerdem werden die "ZiB 1" und "Wien heute" via Handy auch nach Sendestart via Handy abrufbar sein. Außerdem wird die Mobilkom mit der KirchMedia-Tochter ISPR und Sport1.at auch einen Fußballservice anbieten. Vier Minuten, nachdem ein Tor fällt, wird man das Goal am Handy nachverfolgen können.

3G-Ambitionen auch in Kroatien und Slowenien

Neben Österreich ist die Mobilkom auch in Slowenien mit si.mobil und in Kroatien mit VIPnet aktiv. Geht es nach Mobilkom-Chef Boris Nemsic, wird die Mobilkom in den beiden Ländern ebenfalls UMTS anbieten.

Unmögliches

Weniger optimistisch ist der Mobilkom-Chef, was den Ausbau von UMTS in Salzburg betrifft. Ursache dafür, warum das Bundesland in der ersten Ausbauphase nicht dabei ist, ist das so genannte "Salzburger Milli-Watt" – eine Sonderreglung des Bundeslandes, wonach die Strahlung eines Handy-Mastens 1 Milliwatt pro Quadratmeter nicht überschreiten darf. Dieser Grenzwert mache es sowohl für die Mobilkom als auch für alle anderen Betreiber "unmöglich, in Salzburg UMTS-Netze in Betrieb zu nehmen", kritisiert Nemsic.

Aufbau UMTS

Neben der Mobilkom bauen derzeit auch T-Mobile Austria (Ex-max.mobil), One, tele.ring und der chinesische UMTS-Lizenzinhaber Hutchison an österreichischen UMTS-Netzen. T-Mobile und One wollen noch in diesem Jahr ebenfalls mit einem Testbetrieb starten. Hutchison und tele.ring planen einen Start erst im nächsten Jahr. Die spanische Telefonica, die in Österreich eine UMTS-Lizenz erworben hat, hat ihre Pläne wieder gestoppt.

Abgehängt

Die Mobilkom hängt mit ihrem Netzstart am Mittwoch aber nicht nur die heimischen, sondern auch die internationalen Wettbewerber ab. Nach der Mobilkom wird am Donnerstag, auch die finnische Sonera mit dem Testbetrieb starten, im Oktober soll Hutchison in Großbritannien folgen. Die meisten anderen Betreiber haben ihren Netzstart aber schon auf nächstes Jahr verschoben. (APA)

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    Mobilkom-Chef Boris Nemsic bei der Praesentation des europaweit ersten UMTS-Netzes.

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