U-Bahn- und Bus-Streiks in London, Paris, Rom und Mailand

25. September 2002, 20:14
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In London wird die U-Bahn täglich von drei Millionen Menschen genutzt - Chaos in Italien

London/Rom/Paris - Streiks der U-Bahn-Fahrer haben in London und mehreren italienischen Großstädten zu chaotischen Verhältnissen auf den Straßen geführt. In der britischen Hauptstadt kam der Verkehr unter der Erde am Mittwoch völlig zum Erliegen. Im Berufsverkehr waren Busse, Taxis, Vorortzüge und Bürgersteige überfüllt, die Straßen verstopft. Zahlreiche Hotels in der Innenstadt waren ausgebucht, weil viele Pendler es vorzogen, in der Nähe ihres Arbeitsplatzes zu übernachten.

Chaos in Italien

Auch in Rom und Mailand enstand ein Verkehrschaos, weil außer den U-Bahnen auch Busse und Straßenbahnen still standen. In Paris fuhren trotz eines Streikaufrufs dagegen 80 Prozent der Züge, wie die Betreibergesellschaft RATP mitteilte.

London - Alle U-Bahn-Linien für 24 Stunden eingestellt

In London standen alle zwölf U-Bahn-Linien seit Dienstagabend 24 Stunden lang still. Normalerweise wird die U-Bahn täglich von drei Millionen Menschen genutzt. Die Verkehrsbetriebe befürchteten einen noch schlimmeren Ausnahmezustand als beim letzten Streik, weil diesmal keine zusätzlichen Busse eingesetzt wurden. Vor U-Bahn-Stationen wurden Stadtpläne verteilt. Damit sollten die Fahrgäste dazu ermuntert werden, zu Fuß zur Arbeit zu gehen. Experten schätzten die Kosten des Streiks auf umgerechnet 95 Millionen Euro.

Rom - Keine Öffis trotz Fußballspiel

In Rom stoppte am frühen Morgen der Betrieb der beiden Metro-Linien. Auch die Verbindungen in die Vororte wurden unterbrochen. Chaos befürchtete die Polizei auch in Mailand, wo am Mittwoch ein internationales Fußballspiel und die berühmten Modenschauen stattfanden. 1.600 zusätzliche Verkehrspolizisten wurden eingesetzt, um Störungen so weit wie möglich zu vermeiden. Auch in anderen italienischen Großstädten waren fast alle öffentlichen Verkehrsmittel außer Betrieb.

Verkehr in Paris: Zu 80 Prozent normal

Weniger heftig wirkte sich der Streik in Paris aus: Insgesamt fiel nur jeder vierte Zug aus, weil der Streik-Aufruf der Gewerkschaft CGT von den anderen Fahrer-Gewerkschaften nicht befolgt wurde. Die wichtigsten Strecken in der Innenstadt funktionierten. Allerdings war auch ein Teil der Schnellbahn RER betroffen, die unter anderem die Pariser Flughäfen mit der Innenstadt verbindet.

Kampf um höhere Gehälter

In allen drei Ländern kämpfen die U-Bahn-Fahrer für höhere Gehälter. Die britischen Gewerkschaften wollen die London Underground zwingen, ihr Angebot einer Gehaltserhöhung um drei Prozent zu erhöhen. Für den kommenden Mittwoch ist in London eine weitere eintägige Arbeitsniederlegung geplant. Die drei wichtigsten italienischen Gewerkschaften wollen mit dem Streik eine erhebliche Gehaltserhöhung durchsetzen und die Arbeitszeit von 39 auf 38 Stunden pro Woche verringern. In Frankreich kämpft die Gewerkschaft CGT ebenfalls für mehr Lohn und gegen den Abbau von Privilegien bei der Sozialversicherung. (APA)

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    Die Londoner U-Bahn-Züge bleiben in der Remise

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