Weltbank für Argentinien und Brasilien optimistisch

25. September 2002, 07:13
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Länder werden "Zahlungsverpflichtungen einhalten"

Nashville - Die Weltbank erwartet nach den Worten ihres Präsidenten James Wolfensohn weder bei Argentinien noch bei Brasilien einen Verzug der jeweils fälligen Zins- und Tilgungszahlungen. In einem Reuters-Telefoninterview beurteilte Wolfensohn die Aussichten für das von Krisen geplagte Lateinamerika optimistisch. Er räumte jedoch ein, dass viel von der größten und drittgrößten Volkswirtschaft der Region, Brasilien und Argentinien, abhänge. "Sie hatten ein sehr hartes Jahr. Ich sehe die Entwicklung aber eher positiv als negativ", sagte er.

Brasilien werde auch weiter den Schuldendienst für seine immens hohen Schulden von 260 Milliarden Dollar (265 Mrd. Euro) leisten, wenn der linke Präsidentschaftskandidat Luiz Inacio Lula da Silva die Wahl im Oktober gewinne, sagte Wolfensohn. "Ich bin ein großer Fan Brasiliens und so bin ich optimistisch. Vor den Wahlen gibt es immer Schwierigkeiten. Wir werden abwarten müssen, wer gewinnt, aber ich gehe davon aus, dass sie ihre Zahlungsverpflichtungen einhalten", sagte er. An Brasiliens Finanzmärkten kommt es derzeit täglich zu heftigen Kursverlusten, da die Anleger bei einem Wahlsieg des in Umfragen führenden Lula ein Ende der Haushaltsdisziplin befürchten.

Rate fällig

Zuversichtlich zeigte sich der Weltbankchef auch, dass Argentinien die im Oktober fällige Rate von 700 Millionen Dollar an sein Institut zahlen wird. Diese Zahlung gilt als Testfall für das Verhalten Argentiniens. Wolfensohn sagte, diese Rate könne nicht umgeschuldet werden, aber er glaube, die Regierung in Buenos Aires werde zahlen. "Ich erwarte, dass sie ihrer Zahlungsverpflichtung nachkommen", sagte er. "Nach meiner Schätzung wollen sie die Zahlungen an internationale Institutionen aufrechterhalten", fügte er hinzu.

Argentinien hatte im Dezember 2001 seine Zins- und Tilgungszahlungen auf Schulden von etwa 140 Milliarden Dollar eingestellt. Das Land, das seit mehr als vier Jahren in einer tiefen Rezession steckt, bemüht sich seither um ein neues Kreditprogramm des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Die Probleme Lateinamerikas, insbesondere Brasiliens und Argentiniens dürften auch auf der Tagesordnung beim Treffen der Finanzminister- und Notenbankchefs der sieben führenden Industrienationen (G7) stehen, die sich am Freitag im Vorfeld der Jahrestagung von Weltbank und IWF in Washington treffen. (APA/Reuters)

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