Kirch setzt Springer unter Druck

24. September 2002, 21:55
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Sonderprüfung und Schadenersatz

Vor dem Hintergrund der Verkaufsverhandlungen um sein 40-Prozent-Aktienpaket am Axel Springer Verlag setzt der angeschlagene deutsche Medienunternehmer Leo Kirch die Konzernspitze weiter unter Druck.

Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung in Berlin erzwang Kirch am Dienstagabend nach mehr als achtstündigen Debatten eine Sonderprüfung der Aktivitäten der Geschäftsführung rund um Vorstandschef Mathias Döpfner. Damit will Kirch die Rolle von Europas größtem Zeitungshaus beim Zusammenbruch seines Medienimperiums unter die Lupe nehmen.

Kritik an Döpfner und Friede Springer

Der Filmrechtehändler wirft Döpfner und Mehrheitsaktionärin Friede Springer vor, ihn zum Rückkauf von Springer-Anteilen an der ProSiebenSat.1 Media AG gezwungen und damit die Insolvenz seines Kerngeschäfts KirchMedia beschleunigt zu haben.

"Sie wollten Leo Kirch durch die Erhöhung des finanziellen Drucks loswerden", sagte der Anwalt des Medienunternehmers, Roland Frohne. Der 75-jährige Kirch und die Verlegerwitwe verfolgten als Aufsichtsratsmitglieder die Debatte.

Neben dem Antrag auf Sonderprüfung setzte Kirch auch Forderungen nach Schadenersatz von Springer durch. Diese hätten jedoch keine unmittelbaren Auswirkungen und könnten erst vor Gericht geregelt werden, verlautete aus Unternehmenskreisen.

An der Abstimmung durfte Mehrheitsaktionärin Friede Springer als Betroffene nicht teilnehmen. Damit setzte sich Kirchs PrintBeteiligungs (PB) GmbH, die die Springer-Aktien hält, durch. Die Sonderprüfung soll sich auch auf den Aufsichtsrat und die beiden Mehrheitsaktionäre erstrecken. Mehrere Kleinaktionäre meldeten Einspruch gegen die Beschlüsse an.

Gegenstand des Streits ist eine von Springer Ende 2001 ausgesprochene Verkaufsoption für 11,5 Prozent der Aktien, die der Verlag an der ProSiebenSat.1 Media AG besitzt. Laut Kirch-Vertreter hat Springer damit die Zahlungsschwierigkeiten des Medienimperiums verschärft und auch dem Verlag schweren Schaden zugefügt. (APA/dpa)

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