Studie belegt Wiener Fahrradboom

25. September 2002, 13:59
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Vor der Oper wurden binnen 24 Stunden insgesamt 8500 Radfahrer gezählt - Streit um Radweg Mariahilfer Straße geht weiter...

Wien - Das war ein regel- rechter Fahrradboom: Die Strampler-Zahlen schnellten diesen Sommer in der Wiener Innenstadt in die Höhe. Und das lag nicht nur an der Einführung des Viennabikes, sondern auch an neuen Angeboten bei der Infrastruktur, wie eine aktuelle Studie zeigt. Dass mit der Errichtung eines Radweges auf der so genannten Zweierlinie die Radlerfrequenzen in die Höhe schnellen würden, war zu erwarten.

Aber dass gleichzeitig auch auf dem parallel dazu verlaufenden Ring-Radweg deutliche Zuwächse verzeichnet werden - das belegt die Untersuchung vom Zivilingenieurbüro Snizek im Auftrag der MA 18 (Stadtentwicklung und Stadtplanung). Heuer hatte am Ring das Fahrrad bereits einen Anteil am Individualverkehr von 17,3 Prozent.

Neu, automatisch

Besonders eindrucksvoll waren die Zuwächse auf dem Teilstück vor der Oper: Dort wurden binnen 24 Stunden insgesamt 8500 gezählt - und das ist ein Plus von 51,6 Prozent gegenüber 1999. Ermittelt wurden die Daten für diese Studie zum Teil mit einem neuen, automatischen Zählsystem per Radartechnologie.

Weitere Ergebnisse: Auf der Zweierlinie gab es nach Errichtung des Radweges ein Plus von 433 Prozent gegenüber 2000. Aber auch auf der Alserbachstraße konnte mit dem neuen Radstreifen seit 1997 ein Radler-Zuwachs von 110 Prozent erreicht werden.

Wo etwas Gescheites gebaut wird, fahren signifikant mehr Menschen mit dem Rad

"Das zeigt erstens, dass die Einführung des Viennabikes unglaublich viel für die Bewusstseinsentwicklung getan hat", interpretiert Christoph Chorherr, Klubobmann der Grünen, im Rathaus die Ergebnisse der Studie. "Vor allem aber beweist es: Wo etwas Gescheites gebaut wird, fahren signifikant mehr Menschen mit dem Rad."

Radweg Mariahilferstrasse

Aber die Untersuchung liefert Chorherr auch Munition in der ewigen Diskussion um die Errichtung eines Radweges in der unteren Mariahilfer Straße: Dort wurde bereits ein Rad-Anteil von 16,2 Prozent festgestellt. Dazu heißt es in der Studie: "Die Errichtung einer Radverkehrsanlage in der inneren Mariahilfer Straße lässt aufgrund der ersichtlichen Verkehrsbelastungen eine Steigerung der stagnierenden Zahlen erwarten."

Einbahnen öffnen

Chorherr fordert daher: Das Lückenschlussprogramm - etwa mit Radstreifen in der Mariahilfer Straße oder am Getreidemarkt - müsse rasch realisiert und die Kapazitäten im bestehenden Netz erweitert werden. Weiters sollten laut Chorherr Einbahnen konsequent für Radfahrer geöffnet werden und die Radwege-Benützungspflicht fallen.

Für Verkehrsstadtrat Rudolf Schicker (SP) ist "die positive Entwicklung sehr erfreulich" - er hat geplant, bis 2006 das Radwegenetz von 867 auf 1000 Kilometer auszubauen.

Von Roman Freihsl

Info
www.wien.gv.at

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