Atomkonsens in Japan im Wanken

24. September 2002, 18:32
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Vertuschungen fördern Widerstand

Tokaimura - Die neuesten Skandale um japanische Atomanlagen, deren Betreiber schwer-wiegende Störfälle vertuschen (DER STANDARD berichtete), lässt den Widerstand gegen Nuklearenergie immer deutlicher werden. Zumal sich herausstellte, dass bereits vor zwei Jahren die Regierung über Vertuschungen informiert wurde und Untersuchungen veranlasst hatte. Das Volk erfuhr jedoch erst vor kurzem von den Vorgängen. Seither kommen immer neue Einzelheiten über Betrügereien (unterdrückte oder gefälschte Prüfberichte) ans Licht. Am Dienstag wurde bekannt, dass an einem einzigen Meiler 67 Schadstellen gefunden wurden.

Drei Jahre nach dem bisher schwersten nuklearen Unfall Japans (in Tokaimura, zwei Arbeiter tödlich verstrahlt, 600 Menschen erhöhter Strahlung ausgesetzt) zerbröckelt der Atomkonsens. Jahrzehntelang galt, Nuklearenergie sichere den Wohlstand, Atomgegner wurden als Volksfeinde betrachtet. Nun ist einer von ihnen in Tokaimura sogar zum Abgeordneten gewählt worden. Menschen, die heute noch an der Verstrahlung von vor drei Jahren leiden, reichen Klagen ein.

Die Regierung des rohstoffarmen Lands, deren 53 Atomreaktoren zu rund einem Drittel zur Stromerzeugung beitragen, sieht ihre Politik "Ausweitung der Atomenergienutzung" nun spürbar untergraben. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25. 9. 2002)

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