Folk von der Ofenbank

28. September 2002, 19:00
posten

Der großartige US-Folknik Michael Hurley gastiert am Montag im Wiener "B 72"

Wien - Ein wenig erinnern die Alben von Michael Hurley an jene, die der Nachwelt vom großen Joseph Spence aus Nassau, Bahamas, geblieben sind. Dieser längst verstorbene Ideengeber von Ry Cooder hat gern in der Küche seine Gitarre gespielt. Und wenn ihm eine oder zwei Songzeilen nicht mehr gegenwärtig waren, sprang entweder seine gerade das Geschirr spülende Frau als rettende Stimme ein, oder Spence nuschelte einfach etwas von "forgotten words", lachte und zupfte unbeirrt weiter.

Hurleys letzte Arbeiten besitzen genau jenen heimeligen Charme aus Ofenfeuer, Sweet Potatoes und selbst gebranntem Feuerwasser. Der musikalisch zu Beginn der 60er-Jahre in der New Yorker Folk-Szene bekannt gewordene Hurley bindet wackeligen Folk und Country zu einer originären Melange. Manchmal entfährt ihm ein kurzer Jodler, meist klingt er jedoch, als sei ein Glimmstängel in einem seiner Mundwinkel hauptgemeldet: kauzig, verschroben, genial.

Das Banjo quengelt, eine Fidel sorgt für ranzige Milch. Ob die Gitarre gestimmt ist oder nicht - wen kümmert's? In seinen Songs tauchen ewige Motive auf: ein Mann im Zug, der im Mondschein gegen Westen schnaubt. Weg von den alten Sorgen hinter ihm, rein in die neuen vor ihm. Ungefähr alle Schaltjahre nimmt der heute 61-Jährige wieder einmal ein neues Album wie Sweetkorn auf und lässt sich live sehen. (DER STANDARD, Printausgabe, 25.9.2002)

Von Karl Fluch

Service

B72,Wien 8.,
Hernalser Gürtelbogen 72,
Info: (1) 409 21 28
Montag, 30. 9.
Richtwert: 21.30 Uhr

Link
B72.at

Share if you care.