Ein Hotel stört im Rathaus

25. September 2002, 20:05
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Opposition kritisiert geschlossen Bauvergaben bei Hilton und Wien-Mitte

Wien - Sofiensäle, Augarten, Hochhäuser Wien-Mitte - fast jedes Bauprojekt in der Stadt rückt in den Mittelpunkt der Parteidebatte. Zu Recht, wie die Opposition am Mittwoch in der ersten Sitzung des Wiener Landtages nach dem Sommer angesichts ihrer Meinung nach dubioser Entscheidungen meinte. Nächstes Projekt, das beanstandet wurde: der Umbau des Hilton nahe Wien-Mitte. Da erscheint VP, FP und Grüne die Rolle von Architekt Hans Hollein fragwürdig.

DER STANDARD stellte vor wenigen Tagen das Projekt vor: Das Hilton soll von Hollein um rund 175 Millionen Euro um knapp sieben Meter aufgestockt werden. Am Dach wird eine Stahl-Glas-Konstruktion errichtet, die "wie eine dahinflimmernde Wolke" erscheinen werde. Das Hotel befindet sich im Besitz zweiter einflussreicher Wiener Familien: Dichand und Soravia.

Der Hilton-Bau soll bis 2004 verwirklicht werden - "ohne, dass ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben wurde", kritisierte VP-Klubobmann Matthias Tschirf und forderte "mehr Transparenz". "Ganz zufällig ist der Vorsitzende des Fachbeirates auch jener Architekt, der ohne Ausschreibung einen Dachausbau vornimmt. Da reicht also der 'Architekt Hollein' beim 'Fachbeiratsvorsitzenden Hollein' die Pläne ein", erboste sich Grünen-Chef Christoph Chorherr über die "Unvereinbarkeit". FP-Stadtrat Johann Herzog setzte mit einer Forderung nach: "Die Rolle Holleins ist zu überdenken, sein Rücktritt ist überfällig."

Alles nicht wahr, widersprachen die SP-Stadtplaner. Abgeordneter Ernst Woller betonte, der Bauträger habe einen "geladenen Wettbewerb ausgeschrieben". Aus dem Büro von Stadtrat Rudolf Schicker verlautete, dass bei Holleins eigenen Bauten "natürlich" ein anderes Fachbeiratsmitglied den Vorsitz führe.

Stichtag 1. Oktober

Weiter mit Hingabe debattierten die Parteien zu den geplanten Türmen in Wien-Mitte, u. a. mögliche Auswirkungen auf das Welterbe in der Inneren Stadt. Mit Spannung wird jener Bericht erwartet, den die Stadt an die Unesco Anfang Oktober übergeben muss. Darin wird seitens der Stadtverantwortlichen dargestellt, wie das Welterbe mit bis zu 97 Meter hohen Türmen in der Pufferzone in Einklang zu bringen sei. Wiederholt ist seitens Icomos, jener Kommission, die die Unesco in Welterbefragen berät, bemängelt worden, dass das wahre Ausmaß des Wien-Mitte-Projekts verschwiegen worden sei. (aw /DER STANDARD, Printausgabe, 26.9.2002)

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