Ernährung bei psychisch kranken Menschen oft vernachlässigt

25. September 2002, 11:59
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Beziehung zum Körper geht verloren - "sie ernähren sich irgendwie, bewegen sich wenig ..."

Psychisch kranke Menschen verlieren oft die Beziehung zu ihrem Körper. "Sie ernähren sich irgendwie, bewegen sich wenig. Sie haben einfach zu viel damit zu tun, was sich in ihren Köpfen abspielt", sagte Dr. Margot Pühringer, Oberärztin an der Landesnervenklinik Wagner Jauregg in Linz. "Fast Food und Limos sind dann oft die Grundnahrungsmittel der Betroffenen." Denn der Gang zum Supermarkt wird bereits zum Problem.

Mitten in einer psychischen Krise wird auch die Motivation zur Bewegung schwierig. Hinzu kommt, dass neben den Lebensumständen manche Medikamente der neuen Generation eine Gewichtszunahme verursachen können.

Geringere Lebenserwartung

Die Lebenserwartung von Schizophrenie-Patienten ist geringer als jene von gesunden Menschen. Der Grund dafür sind eben jene Begleiterscheinungen des Lebensstils, die zu einem stark erhöhten Herz-Kreislaufrisiko führen. Zudem rauchen viele Erkrankte, weil sie sich dann besser fühlen.

Das neue Programm soll nun aber genau diesen Lebensstil abwenden. Das Konzept wird nun den Leitern und Oberärzten von psychiatrischen Kliniken vorgestellt. Falls Interesse besteht, wird die Broschüre inklusiv einem so genannten Trainer für dieses Programm zur Verfügung gestellt. Der große Unterschied zu herkömmlichen Diät-Wegweisern ist, dass die Broschüre sehr einfach mit kurzen Sätzen geschrieben wurde. "Schizophreniekranke sind nicht dumm. Aber lesen Sie einmal bei einer schweren Grippe das Buch 'Krieg und Frieden'. Darauf können Sie sich auch nicht gut konzentrieren", sagte Pühringer.

Keine verbotenen Reize

"Wir haben bei den Illustrationen bewusst auf die Darstellung von Verbotenem - wie Eis oder Schokolade - verzichtet", sagte die Wiener Ernährungswissenschafterin Hanni Rützler. Dafür wurden viele Bilder von Obst und Gemüse eingebracht. Außerdem gibt die Broschüre zahlreiche Tipps, wie man gängige Gerichte so abwandeln kann, dass sie gesünder werden. So hat eine klassische Wurstsemmel rund 300 Kilokalorien und einen Gehalt von 17 Gramm Fett. "Ersetzt man aber die Semmel durch ein Grahamweckerl, die Extrawurst durch eine Krakauer und fügt etwas Gemüse wie Tomaten oder Gurken hinzu, hat der Snack nur mehr 192 Kilokalorien. Auch der Fettgehalt schrumpft auf drei Gramm", so Rützler. (APA)

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