Hilfe bei Polyarthritis

24. September 2002, 17:57
posten

Vollständig aus humanen Proteinen bestehendes Präparat aus monoklonalen Antikörpern hergestellt

Wien - Ein vollständig aus humanen Proteinen bestehendes Präparat aus monoklonalen Antikörpern soll Patienten mit chronischer Polyarthritis helfen. Klinische Studien mit dem Hemmstoff für den Tumornekrosefaktor alpha (TNF-alpha), die am stärksten entzündungsfördernde körpereigene Substanz, werden jetzt auch auf Kinder und Jugendliche mit Gelenksrheuma ausgedehnt, teilten die Abbott Laboratories als Hersteller mit. Außerdem soll getestet werden, ob das Medikament auch gegen Morbus Crohn eingesetzt werden kann.

Die rheumatoide Arthritis (RA; auch chronische Polyarthritis) ist die häufigste entzündliche rheumatische Erkrankung. In Österreich leiden rund 40.000 Menschen daran, laut statistischem Zentralamt erkranken von 100.000 Kindern rund 15 an RA. (...) Von der juvenilen Form der rheumatoiden Arthritis sind Kinder von 16 Jahren und jünger und Mädchen doppelt so häufig wie Buben betroffen", hieß es in einer Aussendung.

Innovationen

In den vergangenen Jahren haben Biotechnologie-Medikamente die Behandlungsmöglichkeiten vor allem für jene Polyarthritis-Patienten verbessert, bei denen die so genannte Basistherapie mit Substanzen wie Methotrexat, Sulfasalazin, Leflunomid etc. nicht ausreichend wirkt. Es handelt sich dabei bisher um einen monoklonalen Antikörper gegen TNF-alpha und ein Medikament, das aus löslichen TNF-alpha-Rezeptoren besteht. Die von Abbott übernommene Pharma-Sparte des deutschen Chemiekonzerns BASF entwickelte mit "Adalimumab" schließlich die erste Generation vollständig humaner Antikörper, die sich nicht mehr von körpereigenen Antikörpern unterscheiden.

Medikamente mit monoklonalen Antikörpern werden sonst aus Mäusen gewonnen und haben zumeist noch Fremd-Protein-Anteile, was deren Wirkung mindern kann. Adalimumab wurde im März 2002 zur Genehmigung bei den EU- und US-Arzneimittelbehörden zur Zulassung eingereicht.

Regelmäßige Injektionen

"Wir können uns von diesem neuen Wirkstoff erstmals eine wirkliche Hilfe für diejenigen Kinder versprechen, die mit den fürchterlichen Schmerzen der Arthritis aufwachsen und leben müssen", stellte Dr. Ingrid Haider-Salaberger, medizinisch-wissenschaftliche Leiterin der Abbott Ges.m.b.H. in Österreich fest. Eine Verbesserung der Lebensqualität verspricht Adalimumab auch auf Grund der einfachen Handhabung. Es wird alle 14 Tage selbst injiziert, die Intervalle der regelmäßigen Ambulanz- oder Arztbesuche verlängern sich daher.

Ein weiteres Hoffnungsgebiet für den Wirkstoff ist die chronisch entzündliche Darmerkrankung Morbus Crohn, für die es derzeit nur eingeschränkte Behandlungsmöglichkeiten gibt. Die Symptome umfassen Durchfall, Magenschmerzen, Gewichtsverlust, Fieber und in schwerwiegenden Fällen Fieber. Adalimumab scheint auch bei dieser Autoimmunerkrankung den Entzündungsprozess zu stoppen. (APA)

Share if you care.