Glitzershow trotz Absatzflaute

26. September 2002, 17:49
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Franzosen starten durch, Japaner sind wieder da - Pariser Automobilsalon 2002 öffnet am Samstag seine Pforten

Paris - In Paris startet am Samstag die bedeutendste Automesse des Jahres, die "Mondial de l'Automobil 2002". Unter dem Vorzeichen einer massiven Absatzflaute in Europa ist vor allem dies zu vermerken: Die Franzosen starten weiter durch, die Japaner sind wieder da, und die - zumal deutschen - Luxusmarken erweisen sich als weitgehend krisenresistent.

Die französische Automobilindustrie läuft auf vollen Touren. Deutlicher als bisher werden Renault und der PSA-Konzern (Peugeot/Citroën) den Heimvorteil nutzen und sich selbstbewusst in Szene setzen wie kaum zuvor, so die Ankündigungen von Herstellerseite. Nachdem Jahre lang die deutsche Konkurrenz den Ton angegeben hat, können sich ihre linksrheinischen Nachbarn endlich aus ihrem Schatten lösen. Das Erfolgsrezept lautet: frisches (PSA) bis mutiges (Renault) Design, neue Konzepte schneller umsetzen als andere, kostengünstige Fahrzeuge.

Gesamtmarkt rückläufig

Damit hat sich Renault heuer an die Zulassungsspitze in Westeuropa vorgekämpft, und auch PSA gewinnt laufend Marktanteile. Bei allerdings insgesamt rückläufigem Gesamtmarkt: In den ersten sieben Monaten 2002 betrug die Zahl der Neuzulassungen in Westeuropa 9,03 Millionen, vier Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Größte Schwäche der Franzosen bleibt Experten zufolge denn auch ihre Eurozentriertheit - den größten Teil ihres Geschäfts wickelten sie auf dem alten Kontinent ab, in Nordamerika ist keiner der beiden Konzerne präsent, in Asien auch kaum. Immerhin ist Renault hier mittlerweile durch die strategische Allianz mit Nissan besser aufgestellt.

Apropos Nissan

Die Japaner sind wieder da. Nach einem Jahrzehnt technisch anspruchsvoller, im Design aber immer faderer Autos starten Mazda, Nissan & Co im Sog des Erfolgs von Toyota wieder durch - wenn auch unter anderen Vorzeichen: Nur Toyota und Honda konnten ihre Selbst_ständigkeit behaupten, die Geschicke der anderen Hersteller werden heute in Europa und den USA bestimmt.

Probleme für Opel, VW

Mit Problemen kämpfen heuer die deutschen Massenhersteller. Opel hat es ganz schlimm erwischt, und der VW-Absatz brach wegen der bald auslaufenden Volumsmodelle Golf und Passat deutlicher ein als in Wolfsburg erwartet. Nur Mercedes, Audi, Porsche und vor allem BMW konnten weltweit weiter Zuwächse verzeichnen. 2001 erwirtschaftete die deutsche Autoindustrie einen Umsatz von 202 Mrd. €. So viel wird es heuer gewiss nicht werden.

Am Pariser Salon werden über 50 Weltpremieren zu sehen sein, die Veranstalter rechnen mit einem neuen Publikumsrekord. Schon jetzt ist die biennal stattfindende Messe die meistbesuchte der Welt, im Jahr 2000 kamen über 1,43 Millionen Autofans ins Ausstellungsgelände. (Andreas Stockinger, DER STANDARD, Printausgabe 25.9.2002)

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    Renault wird unter vielen andern Modellen auch den "Ellypse" am Pariser Autosalon präsentieren.

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