Indien: Besetzter Hindutempel gestürmt

25. September 2002, 11:45
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Elite-Einheiten beenden Besetzung des Gotteshauses im Bundesstaat Gujarat - Alle Attentäter getötet - Acht Tote bei Bus-Anschlag

Neu Delhi - Indische Elitesoldaten haben am Mittwochmorgen die Besetzung eines Hindutempel im Bundesstaat Gujarat beendet. Nach indischen Medienberichten wurden bei der Erstürmung alle drei Extremisten getötet. Auch zwei Sicherheitskräfte seien ums Leben gekommen. Sechs Soldaten und zwölf Polizisten seien verletzt worden. Die Operation habe rund fünf Stunden gedauert. Bei dem Überfall starben laut Medienberichten mindestens 30 Menschen. Es habe mehr als 100 Verletzte gegeben. Die Zahl der Toten könne sich noch erhöhen, da viele Verletzte sich in einem kritischen Zustand befänden, hieß es.

Elitesoldaten im Einsatz

Nach indischen Medienberichten nahmen an der Erstürmung rund 100 Elitesoldaten teil. Der Aktion seien etwa zweieinhalb Stunden dauernde sporadische Schusswechsel vorangegangen.

Mehrere mit Maschinenpistolen bewaffnete Männer waren am Dienstagnachmittag (Ortszeit) in den Tempel im Bundesstaat Gujarat gestürmt, hätten Handgranaten geworfen und wahllos auf mehrere hundert Gläubige gefeuert. Die Täter seien vermutlich moslemische Extremisten, zitierte der Sender Star News einen Polizeisprecher.

Nach Angaben von Augenzeugen verschanzten sich die Täter auf dem Dach des Gotteshauses. In der Nähe des Tempels liegen die Residenzen des Gouverneurs und mehrerer Minister von Gujarat.

Vajayee bricht Auslandreise ab

Der indische Vizeregierungschef Lal Krishna Advani sagte in Delhi, rund 500 Menschen seien aus dem Tempel in Sicherheit gebracht worden. Der Anschlag sei eine Reaktion der Terroristen auf den erfolgreichen Verlauf der Parlamentswahlen im Teilstaat Jammu und Kaschmir, sagte Advani nach einer Beratung mit hohen Regierungsbeamten. Advani flog selbst nach Gandhinagar, wo auch sein Wahlkreis liegt, um den Polizeieinsatz zu überwachen. Ministerpräsident Atal Behari Vajayee brach einen Besuch auf den Malediven ab und machte sich auf die Heimreise.

3.000 Soldaten nach Gujarat

Nach dem blutigen Überfall auf einen Hindu-Tempel hat die indische Armee am Mittwoch 3.000 Soldaten in den westindischen Unionsstaat Gujarat entsandt. Die Truppen sollen einen erneuten Ausbruch religiös motivierter Gewalt in Gujarat verhindern. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums nannte die Truppenverlegung eine Vorsichtsmaßnahme auf Bitten der Regierung von Gujarat. In der Nacht hatten Eliteeinheiten den Tempel in Gandhinagar nach 14-stündiger Belagerung gestürmt und Dutzende Geiseln befreit.

Nach Angaben der Sicherheitskräfte kamen dabei die beiden bewaffneten Angreifer ums Leben, die zuvor bei einem Granatanschlag auf den Tempel mindestens 30 Menschen getötet und etwa 40 verletzt hatten. Bewohner der Region äußerten die Vermutung, dass islamische Extremisten für das Massaker verantwortlich waren. Die an Pakistan grenzende Unruheprovinz Gujarat war schon im Frühjahr von einer Serie blutiger Zusammenstöße zwischen Moslems und Hindus erschüttert worden. Dabei wurden mehr als tausend Menschen getötet, die meisten von ihnen Moslems.

Fahrgast setzt Bus in Brand: Acht Tote

Im Süden Indiens hat ein Fahrgast am Mittwoch einen Bus in Brand gesetzt und damit sich und mindestens sieben weitere Personen getötet. Wie die Polizei mitteilte, ereignete sich das Feuer kurz nach Mitternacht in der Nähe der Stadt Kodandapuram, rund 180 südlich von Hyderabad. Ein Motiv für die Tat war zunächst nicht bekannt.

Der Busfahrer sagte, der Fahrgast habe Benzin oder Kerosin auf den Boden geschüttet und dann mit einem Streichholz entzündet. Eine Frau, die neben dem Täter saß, habe noch versucht, ihn davon abzuhalten. "Sie schrie, ich solle den Bus stoppen und ich habe sofort gebremst, aber der Bus stand schon in Flammen." Mindestens 24 Fahrgäste erlitten Brandverletzungen, nur drei Personen blieben unverletzt. (APA/dpa)

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    Elite-Einheiten während der Erstürmung des besetzten Hindu-Tempels in Gujarat.

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