"Bewusstloser" Kaprun-Zeuge befragt

24. September 2002, 18:53
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Zugbegleiter bemerkten Monate vor dem Unglück nichts Außergewöhnliches

Salzburg - Für den 56-jährigen Georg S. war es am 11. November 2000 knapp. Um ein Haar wäre der Liftwart der Gletscherbahnen Kaprun AG das 156. Todesopfer der Brandkatastrophe im Seilbahnstollen von Kaprun geworden. Er hat mit einer schweren Rauchgasvergiftung knapp überlebt. Wie Georg S. am Dienstag beim Strafverfahren im Salzburger Kolpinghaus erzählte, war er auf dem Weg in das Alpincenter, um Ersatzteile zu besorgen. Er habe beim Betreten der Bergstation aber rasch das Bewusstsein verloren und könne sich an nichts mehr erinnern. Warum der Mann überhaupt in den Zeugenstand gerufen worden war, konnte er sich offensichtlich nicht erklären.

Auch die anderen zwei am Dienstag befragten Mitarbeiter der Gletscherbahnen konnten zur Aufklärung der Unfallursache wenig beitragen. Sie bestätigten im Wesentlichen jene Angaben, die in der ersten Verhandlungsphase von ihren Kollegen gemacht wurden: Aus Sicht der beiden Wagenbegleiter lief der Betrieb der Unglücksbahn jahrelang ohne größere Pannen oder Auffälligkeiten. Beide waren in den Monaten vor dem Unglück jedoch nur mehr fallweise als Zugbegleiter eingesetzt worden.

Einer dieser beiden Mitarbeiter des Seilbahnunternehmens war zudem mit dem Einbau der Holzverschalung gegen die Zugluft im Führerstand beschäftigt. Der gelernte Tischler beteuerte, dass seiner Ansicht nach der Abstand der Holzverschalung zum Heizlüfter in der Führerkabine mit 15 bis 20 Zentimeter ausreichend groß war. Laut Gutachter hat ein defekter Heizlüfter im talseitigen Führerstand der "Kitzsteingams" zu der Katastrophe geführt. (dog, neu/DER STANDARD Print-Ausgabe, 25.9.2002)

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