Italien: Linksextremisten bekennen sich vor Gericht zu Mord an Biagi

24. September 2002, 21:57
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Inhaftierte Rot-Brigadisten übernehmen Verantwortung für Attentat - "Mord hat Regierung Berlusconi geschwächt"

Rom - Neun Mitglieder der linksextremen italienischen Terrorgruppe "Rote Brigaden" haben am Dienstag vor einem römischen Gericht zugegeben, in den Mord an dem Regierungsberater Marco Biagi vom 19. März verwickelt zu sein. Die mutmaßlichen Terroristen stehen wegen des Mordes an zwei Polizisten im Jahr 1987 in Rom sowie am amerikanischen General Lemon Ray Hunt im Jahr 1984 vor Gericht.

Kurz vor Abschluss der Gerichtsverhandlungen begann einer der Linksextremisten einen Bekennerbrief zu verlesen, in dem die Roten Brigaden den Mord an Biagi mit dem Kampf gegen die "kapitalistische Offensive" der Regierung Berlusconi rechtfertigten.

"Wir stehen mit dem Staat und der bürgerlichen Justiz auf Kriegsfuß. Indem wir Biagi ermordet haben, haben wir den Theoretiker der Ausbeutung der Arbeiter erschossen", betonte der Linksextremist Stefano Minguzzi, demnach sei der Mord an Biagi ein harter Schlag für die Mitte-Rechts-Regierung von Silvio Berlusconi gewesen.

Zum Mord am Regierungsberater Biagi, der vor seiner Wohnung in Bologna von einem Terroristenkommando erschossen worden war, hatte sich bereits vergangene Woche eine neu gegründete Zelle der "Roten Brigaden" bekannt. Biagi, Verfasser des "Weißbuchs" mit dem wirtschaftspolitischen Programm des Kabinetts Berlusconi, hatte in den vergangenen Wochen schon öfter Morddrohungen erhalten, eine Eskorte wurde ihm aber verweigert. Die Ermittler, die immer noch nach den Tätern fahnden, vermuten Verbindungen zwischen der "alten Garde" der "Roten Brigaden" und neue linksextremistische Zellen. (APA)

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    Graffito am Ort des Anschlags auf Biagi

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