Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel geht zielstrebig ihren Weg

24. September 2002, 14:08
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"Doppelspitze" mit Friedrich Merz ist Vergangenheit

Berlin - Niederlagen hat Angela Merkel weggesteckt, Siege lassen sie nicht übermütig werden. Zweieinhalb Jahre nach der Wahl zur Vorsitzenden der deutschen Christdemokraten hat sie sich ihren Platz an der Spitze der konservativen Volkspartei gesichert. Mit ihrer Wahl zur Vorsitzenden der gemeinsamen Unionsfraktion von CDU und CSU verbreitert sie ihre Machtbasis. Die bisherige "Doppelspitze" mit Fraktionschef Friedrich Merz ist Vergangenheit.

Die promovierte Physikerin weiß nach eigenen Worten, "dass die Summe von Erfolg und Misserfolg sich über längere Zeit immer die Waage hält". Merkel wuchs in der DDR auf. Poligisch engagierte sich die jetzt 48-Jährige dort erst mit der politischen Wende.

Merkels Karriere begann mit der deutschen Wiedervereinigung 1990. Der damalige Kanzler und CDU-Chef Helmut Kohl entdeckte sie für sein Kabinett. Er nannte sie gerne "mein Mädchen". Dem Partei-Patriarchen, hatte sie zunächst ihre Blitz-Karriere zu verdanken.

Dennoch rückte sie 1999 als eine der ersten in der CDU öffentlich von Kohl ab, als dieser seine illegalen Spenden beichten musste. Ihre Linie hieß: deutliche Kritik an Kohls Gesetzesverstößen und zugleich Würdigung seiner Leistung in 25 Jahren als CDU-Chef und 16 Jahren als Kanzler. Merkel hielt bis zur Aussöhnung der Partei mit Kohl durch.

In der Stunde der schweren Not durch Kohls Spenden-Skandal war Merkel für die CDU die Retterin. Als der ebenfalls in den Strudel der Affäre geratene Partei- und Fraktionschef Wolfgang Schäuble abtreten musste, setzte sie sich im Triumphzug durch. Im April 2000 wurde sie mit fast 96 Prozent als erste Frau zur CDU-Vorsitzenden gewählt. Als dann aber Erfolge in der Opposition gegen Rot-Grün ausblieben, wurde die partei-interne Kritik an Merkel lauter. Und spätestens bei der Kanzlerkandidatur musste sie im vergangenen Jahr auch erkennen, dass starke Kräfte in der CDU ihr dieses Amt nicht zutrauten.

Jetzt könnte es sich auszahlen, dass sie die Herausforderer-Rolle ihrem Rivalen CSU-Chef Edmund Stoiber überließ und ohne Fehl und Tadel an dessen Seite kämpfte. Als sie nun die Oppositionsführung im Parlament beanspruchte, hatte sie nicht nur Stoiber auf ihrer Seite. (APA/dpa)

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