Wlaschek wird City-Gastronom

24. September 2002, 18:42
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Immobilien-Tycoon und Billa-Gründer bringt drei Wiener Innenstadt-Palais auf Hochglanz und investiert in Event-Catering

Wien - Bankette, Kongresse und andere exklusive Veranstaltungen wird künftig die 2001 gegründete Firma Palais Events in den Wiener Börsensälen sowie den Palais Daun-Kinsky und Ferstel ausrichten. Geschäftsführer Raimund Höflinger stellt mit seinen 80 Mitarbeitern außer in den Börsensälen auch das Catering. Diese Pläne präsentierte Karl Wlaschek am Dienstag im frisch renovierten Café Central, das ebenfalls im Palais Ferstel untergebracht ist.

Die Palais Events gehört zur Gänze der Karl Wlaschek Privatstiftung, die zusammen mit den anderen Gesellschaften Wlascheks größter Immobilienbesitzer Österreichs ist - geschätzter Wert etwa zwei Milliarden Euro. Wlaschek erklärte bei Kaffee und einer Zigarette sein Engagement in der Gastronomie: "Den Gedanken dazu habe ich im Café Central gefasst. Ich bin schon immer zum Essen hierher gekommen."

Kaffehausmusik

Wieder aufleben lassen will der 85-Jährige - der nach dem Krieg selbst Barpianist war - die Tradition der Wiener Kaffeehausmusik. So spielt im Central nachmittags ein Pianist, das Diner am Abend wird von einem klassisches Salon-Trio begleitet. Lob für den Einsatz Wlascheks für historische Gebäude in der Altstadt gab es von Stadtrat Andreas Mailath-Pokorny.

Zu seinen weiteren Immobilienprojekten sagte Wlaschek, dass er künftig kein Geld mehr in Bürohäuser stecken wolle, weil "wir da schon zu viel haben" - unter anderem den Andromeda- und den Ares-Tower in der Donaucity und diverse Immobilien in der Wiener City. Stattdessen will er in den Wohnungsmarkt einsteigen. Interesse bekundete er an Objekten der Buwog (Bauen und Wohnen Gesellschaft) und Zinshäusern in der Innenstadt.

Ungewohnt gesprächig

Zu seinen Lieblingsprojekten, den mittlerweile neun Innenstadtpalais in Wien, gab sich der öffentlichkeitsscheue Wlaschek ungewohnt gesprächig: "Als Lebensmittelhändler war ich gewohnt, mit Rabatt einzukaufen. Das Kinsky gab's damals fürs halbe Geld, weil es der Hypo zu blöd geworden ist. Die haben es dann für 150 Millionen Schilling hergegeben."

Er habe dann weitere 200 Millionen für die Renovierung ausgegeben. Das Palais Ferstel und die Wiener Börsensäle hätten ihn inklusive aller Investitionen etwa 1,2 Milliarden Schilling gekostet. Seine bisherigen Investitionen überstiegen die Erlöse aus dem Billa-Verkauf von damals 15 Milliarden Schilling. Wlaschek wörtlich: "Das ist viel mehr." Und weiter: "Wir haben aber noch genug Geld. Wenn was günstig ist, kaufen wir es dazu." (pkr, DER STANDARD, Printausgabe 25.9.2002)

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    Karl Wlaschek: "Ein bisserl Geld" für weitere Immobilieninvestitionen ist noch übrig. Weiter Gastronomieambitionen hat der Billa-Gründer jedoch nicht.

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