Faszination Papyrus

24. September 2002, 12:53
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Wiener Ausstellung präsentiert "Die neue Bibliotheca Alexandrina"

Wien - Ein besserer Ort in Wien lässt sich für die Präsentation des prestigeträchtigen Neubaus der Bibliothek von Alexandria nicht denken: Die Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB) zeigt in ihrem Camineum am Josefsplatz eine Wanderausstellung des Norwegischen Architekturmuseums über diesen Bau des Architektenteams Snohetta, dem auch der 1956 in Graz geborene Christoph Kapeller angehört. Ergänzt wird die nur kurze Zeit (26.9. bis 5.10.) geöffnete Schau durch ausgewählte Stücke aus der hauseigenen Papyrussammlung. Schließlich ist die ÖNB im Besitz des weltweit einzigen erhaltenen Papyrus, der nachweislich in der antiken Bibliothek Alexandrias geschrieben wurde - eine griechische Epigrammsuchliste aus ca. 240-230 vor Christus.

Alexander der Große gründete die Stadt Alexandria im Jahr 332 vor Christus. Demetrios von Faleron, der erste Bibliothekar, hatte den Auftrag, alles zusammenzutragen, was es an wertvoller Literatur gab. Die Bibliotheca Alexandrina und das angeschlossene Museion wurden für Jahrhunderte zum Zentrum der antiken Bildung und Wissenschaft und umfasste zuletzt rund 700.000 Buchrollen in vielen Sprachen. Caesar eroberte im Jahr 48 v. Chr. die damals rund eine Millionen Einwohner zählende Metropole, die Bibliothek ging in Flammen auf. 400 Jahre später wurden auch die letzten erhaltenen Reste dem Erdboden gleichgemacht.

Neubau

In den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde die Initiative für einen Neubau gestartet, der ähnliche Signalwirkung in Architektur wie Funktion haben sollte - eine Referenz an die antike Tradition, ein Zentrum der Forschung und ein Symbol für friedliche Zusammenarbeit. Aus einem Wettbewerb, an dem 524 ArchitektInnen aus 52 Ländern teilnahmen, ging die norwegische Gruppe Snohetta als Sieger hervor. Heute ist die neue Biblioteca Alexandrina, die als multifunktionales Bauwerk nicht nur Raum für acht Millionen Bücher bietet, sondern auch Museums-, Konferenz- und Theaterräume beherbergt, nach vielen Jahren Planungs- und Bauzeit praktisch fertig. Auf Grund der angespannten Lage im Nahen Osten war die zunächst für vergangenen April geplante Inauguration verschoben worden: Nun wird als offizieller Eröffnungstermin der 16. Oktober angegeben.

Papyrus

Die modern gestaltete, mit Beschriftungen in Englisch, Französisch und Arabisch ausgestattete Schau vermittelt ein eindrucksvolles Bild des neuen Gebäudes. Von kreisrundem Umriss (eine Hommage an die in der ägyptischen Religion besonders wichtige Sonnenscheibe), ist das scheinbar gekippte Gebäude halb im Erdboden versunken. Die 32 Meter aus dem Boden ragende Fassade aus Granitplatten ist mit 6.300 eingravierten alten Schriftzeichen und Symbolen versehen. Über das schräge Dach wird u.a. der 20.000 Quadratmeter umfassende größte Lesesaal der Welt, der 2.000 Personen Platz bietet, mittels eines Lamellen- und Reflektorensystems mit gleichmäßigem indirekten Arbeitslicht versorgt. Der am Meer gelegene imposante Bau ist selbst von einem Wasserbecken umgeben. In ihm wächst - Papyrus. (APA)

Service
Ausstellung "Die neue Bibliotheca Alexandrina - Von der Idee zur Eröffnung.", Camineum der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien 1, Josefsplatz 1, 26.9. bis 5.10.,

Link
bibalex.gov.eg

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