Deutsche Inflation bleibt moderat

24. September 2002, 12:31
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Heizöl billiger, Kraftstoffe teurer - Preisauftrieb auf Verschärfung des Irak-Konflikts befürchtet

Frankfurt - Die Lebenshaltungskosten in Deutschland haben im September nach Einschätzung von Volkswirten auf dem moderaten Niveau der Vormonate verharrt. Die am Dienstag veröffentlichten Preisdaten aus vier Bundesländern ließen eine jährliche Teuerungsrate von 1,1 Prozent wie im August erwarten, sagten Analysten. Grundsätzlich erkannten die Volkswirte auch für die kommenden Monate wenig Aufwärtsdruck bei den Preisen. Allerdings wiesen sie wie Bundesbank-Präsident Ernst Welteke auf die Risiken durch einen möglichen Ölpreisanstieg wegen einer Verschärfung des Irak-Konflikts hin.

Die Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg meldeten mit 1,3 und 1,4 Prozent unveränderte Jahresteuerungsraten. In Hessen ging die jährliche Inflationsrate auf 1,0 (August 1,1) Prozent zurück, in Brandenburg stieg sie dagegen auf 0,6 (0,5) Prozent. Zum Vormonat blieben die Lebenshaltungskosten entweder unverändert oder stiegen im Falle von Bayern und Brandenburg um 0,1 Prozent an. Erwartet werden noch Zahlen aus Nordrhein-Westfalen und Sachsen. Auf Basis der sechs Bundesländer berechnet das Statistische Bundesamt die vorläufige deutsche Jahresteuerungsrate.

Energie verteuert

In den Ländern glichen im Jahresvergleich sinkende Heizölpreise den Anstieg der Kosten für Strom und Kraftstoffe weitgehend aus. So war Heizöl in Baden-Württemberg 14,3 Prozent und in Hessen 15,6 Prozent billiger als vor einem Jahr. Kraftstoffe kosteten in Hessen dagegen 5,0 Prozent und Strom 7,2 Prozent mehr. Bei Nahrungsmitteln verbilligten sich zum Vorjahr vor allem Obst und Gemüse, deren Preise auch in den meisten Bundesländern zum Vormonat rückläufig waren. Im Vergleich zum August verteuerte sich Energie allerdings deutlich. So kostete Heizöl in Baden-Württemberg 5,8 Prozent und in Hessen 6,8 Prozent mehr. Saisonbedingt gaben die Preise für Pauschalreisen in allen Bundesländern deutlich nach.

Volkswirte sprachen von einer weiterhin moderaten Preisentwicklung in Deutschland, die auch keine deflationären Tendenzen erkennen lasse. "Abgesehen von der Energie sehen wir überhaupt keinen Inflationsdruck", sagte Karsten Junius von der DekaBank. Christoph Hausen von der Commerzbank wies darauf hin, dass besonders die hohen Lohnabschlüsse ein dauerhaft sinkendes Preisniveau und damit eine Deflation praktisch ausschlössen.

Irak-Konflikt

Einzig eine Verschärfung des Irak-Konflikts könnte nach Einschätzung der Volkswirte zu einem merklichen Aufwärtsdruck bei den Preisen führen. "Vieles hängt von der weiteren Ölpreisentwicklung und dem Irak-Konflikt ab", sagte Harald Jörg von der Dresdner Bank. Bundesbankpräsident Welteke bezeichnete am Dienstag den Ölpreis als "ernstes Risiko" für die Preisstabilität, nannte die Inflationsrisiken für die Euro-Zone aber weiter ausgeglichen.

Nach Ansicht Jörgs wird die Europäische Zentralbank (EZB) allerdings nur dann mit höheren Leitzinsen reagieren, wenn der Ölpreis über mehrere Monate kräftig anziehen würde und Zweitrundeneffekte zu befürchten seien. Die Mehrzahl der Volkswirte geht davon aus, dass die EZB die Leitzinsen mittelfristig unverändert bei 3,25 Prozent belassen wird. Mehrere Vertreter der Zentralbank hatten in den vergangenen Tagen signalisiert, dass die EZB das Leitzinsniveau derzeit für angemessen hält. So betonte auch Welteke, dass die Geldpolitik bereits expansiv wirke. (APA/Reuters)

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