Klestil-Buch darf als "Kloakenjournalismus" bezeichnet werden

24. September 2002, 12:15
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"Unsere Klestils"-Autor Ernst Hofbauer blitzte mit Klage ab

Wien - Mit seinem Buch "Unsere Klestils" landete Ernst Hofbauer (61) in den Bestseller-Listen, allerdings auch auf der Anklagebank: Am 17. Oktober wird sich der Autor wegen übler Nachrede im Wiener Landesgericht zu verantworten haben, weil die Staatsanwaltschaft die dort von ihm wieder gegebene Behauptung, Bundespräsident Thomas Klestil habe vor der Auflösung seiner ersten Ehe seine spätere Frau Margot zu einer Abtreibung in den Niederlanden genötigt, für ehrenrührig hält. Bereits heute, Dienstag, musste Hofbauer an einer "Nebenfront" eine Niederlage einstecken.

"Letztklassiger Kloakenjournalismus"

"News"-Herausgeber Alfred Worm hatte am 4. April d. J. in einem Kommentar das Klestil-Buch äußerst scharf kritisiert. Hofbauer sei "ein ganz übler Schmierfink", der "letztklassigsten Kloakenjournalismus" betreibe, hieß es in der Info-Illustrierten. Hofbauer war entsetzt. Er klagte Worm wegen übler Nachrede und verlangte 15.000 Euro Entschädigung für die erlittene Kränkung. "Mir ist durch die Beleidigungen des Herrn Ingenieur Worm schwerer materieller und immaterieller Schaden entstanden", führte er dazu nun im Wiener Landesgericht aus.

In Folge des Kommentars wären er und seine Familie mehrfach telefonisch beleidigt worden, jammerte Hofbauer, der als Berufsbezeichnung "Pensionist, nicht Schriftsteller" angab. Er sei "verfolgt" worden. Um seine Ehre zu retten, müsse er einfach klagen: "Am Ende meines beruflichen Lebens möchte ich nicht als übler Schmierfink bezeichnet werden. Ich habe Gefühle, und meine Gefühle wurden zutiefst verletzt."

Richter Bruno Weis sprach Alfred Worm jedoch frei, der sich unmittelbar nach der Einvernahme seines Kontrahenten ausdrücklich nicht von seinen Formulierungen distanziert hatte ("Ich bleibe dabei!"). Zweifellos handle es sich um "harte, deftige Ausdrücke, die nach einer üblen Nachrede riechen", stellte das Gericht fest. Selbst "geharnischte, bösartige Kritik" sei aber zulässig, "wenn der Anlassfall dafür gegeben ist". "Und da muss ich sagen, dass dieses Buch auch äußerst aggressiv und sehr personsbezogen gegen das Präsidentenpaar gerichtet ist", belehrte der Richter Hofbauer, man dürfe sich nicht wundern, wenn aus dem Wald das zurückkommt, was man hineinruft.

Worms Kritik sei durch Artikel 10 der Menschenrechtskonvention - dem Recht auf freie Meinungsäußerung - gedeckt. Ein so genannter Wertungsexzess liege nicht vor, betonte der Richter. Hofbauers Rechtsbeistand meldete gegen diese Entscheidung unverzüglich Rechtsmittel an. In nächster Instanz muss sich jetzt das Wiener Oberlandesgericht mit diesem Fall auseinander setzen. (APA)

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