Pariser Bischöfe skeptisch zu Kirchenbesetzungen durch "Sans-Papiers"

24. September 2002, 12:13
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Schnellere Asylverfahren für illegale Ausländer gefordert

Paris - Die Bischöfe des Großraums Paris haben sich skeptisch über den Sinn weiterer Kirchenbesetzungen durch illegal in Frankreich lebende Ausländer ("Sans-Papiers") gezeigt. Laut einer Meldung der Kathpress vom Dienstag erklärten die sieben Bischöfe der Ile-de-France, dass die Aktionen den Illegalen nicht geholfen und ihre Lage nicht verbessert hätte. Gleichzeitig boten die Bischöfe weitere Vermittlung an.

An die französischen Behörden appellierten die Bischöfe zugleich, Probleme im Umgang mit den Zuwanderern zu klären: Dazu gehörten die Verfahrensmethoden und die Verfahrensdauer, das Recht auf Arbeit, Unterkunft und soziale Versorgung. Auch die Lage von Minderjährigen brauche dringend einer Lösung.

Im August besetzten Ausländer ohne gültige Aufenthaltspapiere für rund zwei Wochen die Basilika von St. Denis bei Paris, die Grablegungsstätte der französischen Könige. Der Pfarrer der Kirche, Bernard Berger, setzte sich für die Asylwerber ein und wurde für sein Engagement von Rechtsextremisten tätlich angegriffen. Mitte September kam es dann zu einer mehrstündigen Besetzung der Kirche Saint-Ambroise in Paris. Die Besetzungen waren in der Regel mit dem Einverständnis der zuständigen kirchlichen Stellen erfolgt.

Noch vor einer Woche hatte der Präsident der französischen Bischofskommission für Einwanderung und Asyl, der Weihbischof von Lille, Jean-Luc Brunin, die Aufnahme von illegalen Einwanderern verteidigt. In der Tageszeitung "La Croix" sagte der Weihbischof, dass durch die Intervention der Kirche das Problem der illegal in Frankreich lebenden Ausländer von der Politik endlich "realistisch und humanitär" betrachtet werde. (APA)

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