"Aus für Käthe Leichter-Preis"

24. September 2002, 12:26
6 Postings

Minister Haupt will ihn ans Wirtschaftsministerium delegieren und stattdessen den "EVA"-Preis ins Leben rufen

Wien - Zwischen Sozial- und Frauenminister Herbert Haupt (F) und dem ÖGB bzw. der Arbeiterkammer gibt es eine Kontroverse um den Käthe Leichter-Staatspreis für Frauenforschung. Diesen will Haupt an das Wirtschaftsministerium delegieren und dafür "EVA", einen "weitaus umfassenderen Bundespreis", ins Leben rufen. ÖGB und AK protestieren, sie fürchten, dass diese Auszeichnung, die im Frauenministerium ressortiert, zu einem "Allerweltspreis" wird.

Von Dohnal ins Leben gerufen

"Das wäre das Aus für den spezifischen Käthe Leichter-Preis. Er gehört ressortmäßig zu den Frauenabteilungen im Sozialministerium, im Wirtschaftsministerium wäre er fehl am Platz", argumentiert die Gewerkschaft. Ins Leben gerufen wurde die Auszeichnung von der früheren Frauenministerin der SPÖ, Johanna Dohnal.

Zu Käthe Leichter

Käthe Leichter ist eine Symbolfigur für die SPÖ, Leitbild der Frauenforschung, Arbeiterbewegung und des Widerstandes. Geboren 1895, musste die Sozialdemokratin ihr Studium in Deutschland absolvieren, da dies damals in Österreich noch nicht möglich war. Sie war Mitarbeiterin Otto Bauers, verfasste Arbeiten über die Gewerkschaftsorganisation und soziale Frauenprobleme. In der Arbeiterkammer leitete sie das Referat für Frauenarbeit. Im Ständestaat arbeitete sie im Untergrund, 1936 übernahm sie die Leitung des politischen Nachrichtendienstes der Revolutionären Sozialisten. Die Nazis deportierten Leichter in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück, wo sie 1942 vergast wurde.

Haupt'sche Begründung

Haupt ließ Ende August dieses Jahres dem ÖGB brieflich mitteilen, dass im Laufe des Jahres in seinem Ministerium die Vorarbeiten für die "EVA" beginnen würden. Er habe Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V) ersucht, den Käthe Leichter-Preis weiter zu führen, "um auch künftig Frauen auszuzeichnen, die hervorragende Leistungen schwerpunktmäßig auf den Gebieten der frauenspezifischen Forschung und in der Arbeitswelt erbringen".

Am 17. September protestierten die Präsidenten von AK, Herbert Tumpel, und ÖGB, Fritz Verzetnitsch: Angesichts der wichtigen Rolle von Käthe Leichter für die Situation von Frauen in der Arbeitswelt erscheine es "gänzlich unangebracht, diesen Preis durch einen unspezifischen Bundespreis namens 'EVA' zu ersetzen. Wir ersuchen Sie, Ihre Absicht nochmals zu überdenken und den Käthe Leichter-Staatspreis weiter zu vergeben", schrieben die Präsidenten. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
    Die Wissenschafterin Käthe Leichter: Die Auszeichnung für Frauenforschung wurde von Johanna Dohnal initiiert
Share if you care.