Fördert das Internet noch die Netzwerkdemokratie?

24. September 2002, 11:57
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"Dark Markets": Eine Konferenz in Wien nimmt die Rolle des WWW in der globalisierten Gesellschaft unter die Lupe

Wien - Welche kulturpolitische Rolle den Neuen Medien heute zukommt, ist Gegenstand der von Public Netbase organisierten Konferenz "Dark Markets" im Architekturzentrum Wien (Az W) am 3. und 4. Oktober. Internationale Theoretiker aus verschiedenen Wissenschaftsbereichen überlegen sich dabei "Strategien oppositioneller Bewegungen", wie es in einer Aussendung heißt. Im Rahmen der Konferenz werden auch eine Aufsatzsammlung zur kritischen Web-Kultur, "Dark Fiber" von Geert Lovink, das multimediale Projekt "Was tun" von Florian Schneider und das Video "This is what Democracy looks like!" von Oliver Ressler präsentiert.

Die Globalisierung und ihre Begleiterscheinungen

Phänomene der Globalisierung und die aktuellen Krisen der Weltpolitik wie Aids, Arbeitslosigkeit, Armut, der Boom rechtspopulärer Parteien, Umweltschäden sowie der Israel-Palästina-Konflikt stellen die Anknüpfungspunkte der Konferenz dar. Diskutiert wird über Fragestellungen wie "Kann das Internet noch als digitaler öffentlicher Raum genutzt werden, oder hat die gegenwärtige Krise bereits eine Metamedienebene erreicht, jenseits von Propaganda und spiegelbildlichen Gegenkampagnen?" Oder "hat das Internet noch sein ursprüngliches Potenzial, eine 'Netzwerkdemokratie von unten' zu fördern"? "Sind die Neuen Medien bereits durch den Einfluss des Staates und großer Unternehmen kompromittiert?

Der aktuelle Stand der Theoriebildung zu Demokratie, Medienpolitik und Informationstechnologien ist Thema der Referate der IT-Kritikerin Paulina Borsook, des Gesellschaftstheoretikers Franco Bifo, des Historikers Christoph Spehr, der Politikwissenschaftlerin Chantal Mouffe, des Medientheoretikers Geert Lovink, der Kulturwissenschaftlerin Soenke Zehle, der Philosophen Arianna Bove und Erik Empson und des Kunstkritikers Oleg Kireev. Die Konferenz findet in englischer Sprache statt.

Dunkle Seiten und Zeiten

Paulina Borsook etwa wird über "Byzantium 550 AD: What might we see as a New Dark Ages dawns?" sprechen, Oleg Kireev über "Russian Cultural Situation in the Age of Chechen War". Chantal Mouffe fragt "Which Democracy in a Post-Political Age?", Die Philosophen Bove und Empson machen sich Gedanken über "The Dark Side of the Multitude".

Die Referate werden durch Videopräsentationen ergänzt: Oliver Resslers Film "This is what democracy looks like!" thematisiert die Demonstration der Globalisierungsgegner beim vorjährigen Weltwirtschaftsforum in Salzburg. Das multimediale Projekt "Was tun" von Florian Schneider hatte seinen Ursprung in einem Programmschwerpunkt des Kulturkanals Arte und zeigt Aspekte der Globalisierungskritik. (APA)

"Dark Markets". Konferenz von Public Netbase, 3. und 4. Oktober ab 14 Uhr

Architekturzentrum Wien, MuseumsQuartier, in englischer Sprache

Info: 01-522 18 34 oder auf der Webseite
  • Artikelbild
    screenshot: public netbase
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