Neuen Markt mit Transparenzerklärung stärken

24. September 2002, 11:34
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Deutsche Börse plant freiwillige Verpflichtung von Unternehmen auf deutschen Corporate Governance Kodex

Frankfurt/München - Die Deutsche Börse will offenbar die Nemax50-Unternehmen dazu bewegen, sich freiwillig auf die Grundsätze des Deutschen Corporate Governance Kodex zu verpflichten, um so den Ruf des krisengeschüttelten Neuen Marktes aufzubessern.

Der Abschluss entsprechender Vorarbeiten durch einen Arbeitskreis von Nemax50-Unternehmen sei ursprünglich für den 30. September vorgesehen gewesen, sagte Kontron-Chef Hannes Niederhauser. "Das Ziel der Deutschen Börse ist es, alle 50 Unternehmen des Nemax50 zur Teilnahme zu bewegen." Er rechne aber nicht mit einer Einigung bis Monatsende, da einige ursprünglich geplanten Maßnahmen kostenintensiv seien und deshalb bei mehreren Unternehmen auf Widerstand stießen. In Kreisen eines in dem Index gelisteten Unternehmens hieß es, bisher hätten sich erst wenige Gesellschaften zur Unterschrift durchringen können. Einigen gingen die Pläne offenbar zu weit.

Auf Transparanzempfehlungen verpflichten

Eine Sprecherin der Börse sagte, eine solche Erklärung könne durchaus sinnvoll sein. An eine von der Börse eingeforderte Verpflichtung sei jedoch nicht gedacht, sagte sie mit Blick auf entsprechende Presseberichte der vergangenen Woche. Aktionärsschützer äußerten sich positiv.

Reuters hatte zuvor aus Unternehmenskreisen erfahren, im Rahmen der als "Frankfurter Erklärung" bezeichneten Übereinkunft sollten sich alle Nemax50-Unternehmen auf die von der Kommission um ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme verabschiedeten Transparenzempfehlungen verpflichten. Der im Februar 2002 verabschiedete Kodex für gute und verantwortliche Unternehmensführung sieht als Empfehlung eine ganze Reihe von Transparenzregeln vor. So sollen unter anderem die Vergütungen der Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder detailliert in den Konzernberichten veröffentlicht und Anleger bei der Weitergabe von Informationen genauso behandelt werden wie Finanzanalysten.

Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz angetan

Darüber hinaus soll die "Frankfurter Erklärung" den Angaben zufolge die Verpflichtung enthalten, alle Geschäfte von Vorständen mit ihren Aktien des eigenen Unternehmens von der ersten Aktie an zu publizieren. Damit würde man deutlich über die aktuelle gesetzliche Regelung hinaus gehen, die eine so genannte Bagatellgrenze von 25.000 Euro für die Meldepflicht vorsieht.

Niederhauser sagte, Kontron stehe dem grundsätzlich positiv gegenüber und unterstütze beispielsweise den Vorschlag, Hauptversammlungen demokratischer zu gestalten oder die Gehälter der Vorstände detailliert auszuweisen. Allerdings habe das Unternehmen ebenso wie einige andere Nemax50-Gesellschaften Vorbehalte gegen zwei kostenintensive Pläne, ergänzte Niederhauser und verwies zugleich auf die schwierige Konjunktur. Nach seinen Worten wird zum einen diskutiert, die Einführung des Kodex über Werbemaßnahmen zu vermarkten. Zudem würden auch Testate der Wirtschaftsprüfer für die Quartalsberichte erwogen. "Meiner Meinung macht das Ganze schon Sinn", resümierte Niederhauser, fügte aber hinzu: "Was wir nicht für gut heißen, ist, wenn Millionen aus dem Kamin geschleudert werden."

Die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) bewertet die Idee einer entsprechenden Erklärung der Nemax50-Unternehmen positiv. "Wir würden eine solche Initiative begrüßen", sagte DSW-Sprecher Marc Tüngler. Schließlich würden die Unternehmen damit eine ähnliche, gesetzliche Regelung zeitlich vorziehen. Das Transparenz- und Publizitätsgesetz sieht bereits vor, dass sich Gesellschaften im Geschäftsbericht 2003 dazu erklären müssen, in welchen Punkten sie den Corporate Governance Kodex erfüllen und in welchen sie es nicht tun. "Wir werden schon in diesem Jahr auf den Hauptversammlungen danach fragen, wie weit man den Kodex schon umgesetzt hat", sagte Tüngler. (APA/Reuters)

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