Französische Dramatik

24. September 2002, 20:13
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Wiener Theater Drachengasse plant Erstaufführungen von Veronique Olmi, Marie Ndiaye und Eric-Emmanuel Schmitt

Wien - Auf französische Dramatik setzt das kleine Wiener Theater Drachengasse in der Saison 2002/03. Vorbei die Zeiten, in denen gemäß dem internationalen Trend auch an dieser Bühne die jungen wilden Iren und Briten den Ton angaben. "Neue französische Stücke - genauso scharf in ihrer Analyse persönlicher und gesellschaftlicher Befindlichkeiten, und doch ganz anders", versprechen die Leiterinnen Johanna Franz und Eva Langheiter nun ihrem Publikum, "mit sprachlicher Eleganz und subtilem Humor nähern sich die AutorInnen ihren Themen." Gestern, Montag, Abend wurde der Presse ein Vorgeschmack auf die kommenden Produktionen geboten.

Erstaufführungen

Die Eckpfeiler der frankophilen Saison bilden drei Erstaufführungen. Beinahe unbekannt im deutschsprachigen Raum ist die 1962 in Nizza geborene Schauspielerin Veronique Olmi. Deren "Letzter Sommer", ein mit Humor gewürztes Familiendrama rund um einen todkranken Patriarchen und seine beiden Töchter, inszeniert Günther Treptow. Nach der Spielserie in der Drachengasse (Premiere: 21.10.) wird das gemeinsam mit dem Volkstheater produzierte Stück im Rahmen der "Theater in den Bezirken"-Tournee gezeigt. Die Autorin wird zur Premiere nach Wien kommen und am 22.10. aus ihrem Roman "Meeresrand" lesen.

Marie Ndiaye erhielt im Vorjahr für "Rosie Carp", ihren siebenten Roman, den angesehenen Prix Femina. "Hilda" ist das erste Theaterstück der 1967 in Pithiviers nahe Paris geborenen Autorin französisch-sengalesischer Abstammung. In der Drachengasse inszeniert Sabine Mitterecker die Deutschsprachige Erstaufführung dieser Geschichte einer weiblichen Erniedrigung, Premiere ist der 7.1.2003.

"Eric-Emmanuel Schmitt ist momentan neben Yasmina Reza eigentlich der einzige der französischen Theaterautoren, der wirklich international bekannt ist", erläuterte Eva Langheiter. Nach seinem Stück "Der Besucher", das im Theater Gruppe 80 zu sehen war, und vor "Enigma", das vom Burgtheater für 2003 geplant wird, zeigt die Drachengasse ab 26.5.2003 die Österreichische Erstaufführung von "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran". Dieser Monolog beschäftigt sich mit dem Sufismus, einer mythischen und poetischen Form des Islam, und ist Teil einer von Schmitt verfassten Trilogie über die Weltreligionen.

Zuvor beschäftigen sich ab 17.3.2003 der Regisseur Erhard Pauer und die Autorin Barbara Neuwirth auftragsgemäß mit Jean Anouilhs "Antigone". "Antigone. Und wer spielt die Amme?" heißt ihre Neubearbeitung des Stoffes um die Griechin, die ihren im Kampf gefallen Bruder trotz königlichen Verbots begräbt.

Zu den Hauptproduktionen ergänzen in der kleineren "Bar & Co" jede Menge Gastspiele das Programm, von Berenice Pahls Frauenmonolog "Ella geht l(i)eben" (noch bis 12.10.) bis zur zweisprachigen Produktion von Becketts "Glückliche Tage / Oh les beaux jours" in der Regie von Helga Fraunholz (ab 5.6.2003). (APA)

Service

Theater Drachengasse, Wien 1, Drachengasse 2,

Link
www.drachengasse.at

  • Artikelbild
    grafik: drachengasse.at
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