Frankreich: Schwere Krise in der rechtsextremen MNR

24. September 2002, 17:01
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Führungspersönlichkeiten laufen Bruno Megret in Scharen davon

Paris - Die im Jänner 1999 vom französischen Rechtsextremisten Bruno Megret gegründete Mouvement National Republicain (MNR) hat in den vergangenen Monaten zahlreiche Führungspersönlichkeiten verloren und schwere Wahlniederlagen hinnehmen müssen. Als letzter in einer langen Reihe kündigte der MNR-Delegierte Jean-Yves Le Gallou am Montag seinen Rücktritt an, auch wenn er betonte, dass er weiterhin in der Partei bleiben werde.

Le Gallou kritisierte insbesondere Megrets politische Linie und seine schwachen Wahlergebnisse. In der Tat brachte es der MNR-Chef bei der Präsidentenwahl vom Frühjahr auf nicht mehr als 2,3 Prozent Vorzugsstimmen. Bei den Parlamentswahlen stagnierte die MNR bei 1,08 Prozent. Seine Anhänger werfen Megret unter anderem vor, dass er bei der Stichwahl den Präsidentschaftskandidaten Jean-Marie Le Pen, Chef der rechtsextremen Front National (FN), unterstützt hatte. Bei einer jüngsten Parteiversammlung verwirrte er seine Sympathisanten noch mehr, indem er die Möglichkeit einer Allianz mit der konservativen UMP von Staatspräsident Jacques Chirac in Aussicht stellte.

Wahlerfolge blieben aus

Megret, einst Chefideologe des Front National (FN) und designierter Nachfolger Le Pens an der FN-Spitze, hatte Anfang 1999 nach einem langen Führungsstreit mit Le Pen die Partei verlassen. Sein Bestreben, die extreme Rechte salon- und dadurch regierungsfähig zu machen, scheiterte allerdings an den ausgebliebenen Wahlerfolgen. Bei den Regional- und Kantonalwahlen im Jahre 2004 riskieren die MNR-Vertreter, auch noch ihre letzten Wahlmandate in den Regional- und Generalräten zu verlieren.

Vor Le Gallou hatten bereits MNR-Generalsekretär Franck Timmermans und dessen Stellvertreter Leon-Pierre Durin ihre Posten gekündigt. Aus der "Bewegung" ausgetreten sind auch der Leiter des MNR-Sicherheitsdienstes Claude Cotte, alle regionalen Leiter des Sicherheitsdienstes und zahlreiche Parteisekretäre auf kantonaler Ebene. Auch die Jugendbewegung der Partei (MNJ) hat zahlreiche Mitglieder verloren, vor allem seit sich Megret von der Organisation Unite Radicale distanziert hat. Dieser mittlerweile gesetzlich verbotenen Organisation gehörte Maxime Brunerie an, der am vergangenen 14. Juli ein gescheitertes Attentat auf Präsident Jacques Chirac verübt hatte.

Dem MNR-Chef bleibt gegenwärtig nur noch das Bürgermeisteramt seiner Ehefrau Catherine Megret im südfranzösischen Vitrolles. Allerdings stehen auch dort am 29. September und 6. Oktober Neuwahlen an, zumal die Wahl vom Frühjahr 2001 für ungültig erklärt wurde. Das oberste Verwaltungsgericht hatte den Urnengang annulliert, weil es Megrets konservativen Gegenkandidaten Christian Rossi auf anonymen Flugblättern diffamiert sah. (APA)

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    Bruno Megret

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