Auf Mautlast folgt Bierpreisschub

24. September 2002, 10:08
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Brau Union Österreich drohen durch neuen Lkw-Maut Mehrkosten von zwei bis drei Millionen Euro

Wien - Die Wirtschaft pocht auf vollständige Neuverhandlungen der Lkw-Maut. Höchst verärgert sind die transportintensiven Wirtschaftszweige, u.a. die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie, dass die zerbrochene schwarz-blaue Regierung für den versprochenen Ausgleich zur spätestens ab 1. Jänner 2004 geltenden Maut auch in den letzten Tagen vor Auflösung des Parlaments nichts weiter gebracht hat. "Wir dachten das ist ein Paket", schäumt Markus Liebl, Vorstandschef der Brau Union Österreich.

Dem österreichischen Biermarktführer - der im Inland acht Brauereien betreibt - würden durch die bisher bei durchschnittlich 22 Cent vorgeschlagene Lastwagenmaut Mehrkosten von 2 bis 3 Mill. Euro erwachsen - was ohne flankierende steuerliche Entlastung den Produktionsstandort Österreich gefährden und das Ergebnis massiv belasten würde. Der Jahresüberschuss nach Steuern lag 2001 bei der Brau Union Österreich AG, Österreich-Zweig der börsenotierten Brau Union, bei 16,6 Mill. Euro.

Transportkosten-Mehraufwand

Die von Liebl errechneten 2 bis 3 Mill. Euro seien nur der unternehmensinterne Transportkosten-Mehraufwand im eigenen Fuhrpark. "Unsere Kunden sowie die von uns beauftragten Frächter wären nochmals mit einem Betrag in dieser Höhe betroffen", sagte Liebl zur APA. Selbstabholer mit Zentrallagern, wie die großen Handelsketten, würden vermutlich noch mehr belastet. Die Brauer verlangen nun nicht nur die Abschaffung der Straßenbenützungsabgabe und Absenkung der Kfz-Steuern auf das von Brüssel festgelegte EU-Mindestniveau. "Im Sinne der Wettbewerbs- und Existenzfähigkeit unseres Unternehmens" wird auch eine Änderung der Mauttarifverordnung verlangt, mit dem Ziel, die Sätze an das geplante deutsche Niveau von im Schnitt 15 Cent je Kilometer zu senken.

Blieben spürbare Entlastungen aus, drohe 2004 ein "riesiger Preisschub", prognostiziert Liebl, der den Gesetzgeber der "Preistreiberei" beschuldigt. Sein Unternehmen hätte im laufenden Jahr 2002 keine Preiserhöhungen im Plan. Der Brauereiverband hatte bereits im Sommer Berechnungen vorgelegt, dass sich die Maut mit bis zu 5 Cent pro Flasche Bier niederschlagen könnte. Ungeachtet der Maut-Debatte setzt die Brau Union Österreich zwischen ihren Konzernstandorten im Land weiter auf Konzentration von Abfüllkapazitäten. So werde heute Weizenbier schwerpunktmäßig am Standort Hofbräu Kaltenhausen abgefüllt, Dosenbier ausschließlich in Schwechat. Liebl ortet in vielen Braugegenden Europas einen anhaltenden Trend zur Spezialisierung. Im Raum Passau etwa planten fünf Brauereien ein Abfüllzentrum. So weit will die Brau Union selber aber nicht gehen.

Leichtes Plus soll gehalten werden

Abgesehen von der Beteiligung an der Brauerei Schladming, wo sich der größte Bierkonzern des Landes 2001 zunächst mit einem Drittel eingekauft hat, beteiligt sich die Brau Union in Österreich aktuell nicht an "regionalen" Konzentrationen, da hier - bei einem Marktanteil von 54 Prozent - die Kartellwächter einen Strich durch die Rechnung machen würden.

Im österreichischen Biergeschäft hatte sich das Jahr 2002 für die Brau Union gut angelassen, bis im August Dauerregen und Überschwemmungen in wichtigen Absatzgebieten den Bierverkauf bremsten. Bis Juli lagen Umsatz und Absatz mehr als 2 Prozent im Plus. Bis Ende August betrug der Zuwachs noch rund 1 Prozent. Liebl hofft, über das Gesamtjahr ein leichtes Plus halten zu können. Dies wäre das erste Mal seit fünf Jahren, dass es auf dem Inlandsbiermarkt steigende Absätze gäbe. Seit 1998 habe es Jahr für Jahr Absatzrückgänge gebeben. Die vier absatzstärksten Biermarken der Gruppe im Lebensmittelhandel sind Gösser, Zipfer, Schwechater und Puntigamer. (APA)

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BBAG

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