Privater Konsum stagniert in Österreich

24. September 2002, 18:28
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Schwaches Wachstum: Der Konjunkturaufschwung lässt weiter auf sich warten - mit Grafik

Wien - Das österreichische Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im zweiten Quartal 2002 real gegenüber dem Vorjahr um 0,4 Prozent gestiegen. Im ersten Quartal war ein von 0,1 auf 0,3 Prozent nach oben revidierter Anstieg verzeichnet worden. Bereinigt um Saisoneinflüsse und Arbeitstagseffekte beschleunigte sich das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal auf 0,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal, teilte das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) am Dienstag mit.

Sämtliche Binnennachfragekomponenten hätten sich im zweiten Quartal 2002 äußerst schwach entwickelt. "Der Konsum der privaten Haushalte stagnierte im Vorjahresvergleich - die ungünstige Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und die getrübten Konjunkturaussichten veranlassten die privaten Haushalte zu deutlicher Zurückhaltung", schreibt Wifo-Experte Marcus Scheiblecker. Die anhaltenden Sparbemühungen im öffentlichen Sektor hätten auch für den öffentlichen Konsum nur eine reale Steigerung um 0,2 Prozent erlaubt.

Investitionsrückgang

Die Konjunkturschwäche und die anhaltend pessimistischen Erwartungen der Unternehmen haben sich laut Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) am deutlichsten im empfindlichen Rückgang der Bruttoanlageinvestitionen gezeigt, der nun schon seit einem Jahr anhält. Im zweiten Quartal 2002 betrug der reale Vorjahresabstand minus 5,6 Prozent, seit Jahresanfang minus 7,7 Prozent.

Am stärksten wurden die Investitionen in Maschinen und Elektrogeräte (minus 13,6 Prozent) sowie in Fahrzeuge (minus 22,7 Prozent) gedrosselt. Hingegen nahmen die Bauinvestitionen gegenüber dem Vorjahr leicht zu (real um 3,1 Prozent), nachdem sie in den Vorperioden rückläufig gewesen waren.

Der kräftigste Impuls für das heimische Wirtschaftswachstum kam im zweiten Quartal nach Angaben des Wifo vom Außenhandel.

Teilzeitjobs boomen

Sinkende Vollzeitbeschäftigung bei steigender Teilzeitarbeit und steigender Arbeitslosigkeit kennzeichnen die angespannte Situation am heimischen Arbeitsmarkt. Laut einer Mikrozensus-Erhebung der Statistik Austria vom Juni 2002 legte die Teilzeitarbeit im Jahresabstand kräftig, nämlich um 34.000 Betroffene oder um sieben Prozent auf 662.000 Beschäftigte zu. Die Teilzeitquote erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr auf 17,8 Prozent nach 17,1 Prozent. Die Anzahl der Vollzeiterwerbstätigen hingegen sank geringfügig. Die Zahl der Arbeitslosen nahm im untersuchten Monat um neun Prozent auf 146.000 Jobsuchende zu. Die Teilzeitarbeit in Österreich ist weiterhin fast ausschließlich, nämlich zu 90 Prozent, weiblich. Die Teilzeitquote erreichte bei Frauen im Juni 35,0 Prozent, bei Männern hingegen lag sie lediglich bei 4,8 Prozent. Von der Verschlechterung der Arbeitsmarktlage waren vor allem Männer betroffen. Bei den Männern stieg die Arbeitslosigkeit im Jahresabstand um 18 Prozent von 72.000 auf 84.000 Betroffene. (APA/DER STANDARD, Printausgabe 25.9.2002)

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