Al Gore: Politik im "Cowboystil"

24. September 2002, 18:33
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Immer mehr Politiker, Intellektuelle und Militärs kritisieren Bush

Der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore, der von George W. Bush vor zwei Jahren in einer knappen Wahl geschlagen worden war, griff Montag scharf die Irak-Politik des Präsidenten an. Gore sagte in der bisher stärksten Kritik eines demokratischen Politikers: "Nach dem 11. September genossen wir enorme Sympathie, guten Willen und Unterstützung in der ganzen Welt. Innerhalb eines Jahres haben wir das vergeudet und mit Angst, Besorgnis und Unsicherheit ersetzt - nicht vor dem, was die Terroristen tun werden, sondern vor dem, was wir tun werden".

Gore, der 1991 zu den wenigen Demokraten gezählt hatte, der den Krieg gegen Irak unterstützte, bezeichnete die Bush-Doktrin von Präventivangriffen als Außenpolitik im "Cowboystil". Die USA sollten nicht von ihrer wichtigeren Aufgabe, nämlich dem Krieg gegen den Terror, abweichen, "nur weil es sich als langwieriger und schwieriger herausstellte, als man zunächst angenommen hat".

Am Montag äußerte auch der ehemalige Präsident Jimmy Carter seine "tiefe Besorgnis" über die Politik der Bush-Regierung, die er als "eine große Gefahr für unser Land" bezeichnete.

Drei ehemalige Generäle sagten Montag ebenfalls vor einem Senatskomitee aus, eine Attacke gegen den Irak ohne eine UNO-Resolution könnte eine etwaige Hilfe der Alliierten infrage stellen, die Rekrutierung für Al-Qa'ida stärken und langfristige diplomatische und wirtschaftliche Interessen der USA unterminieren: "Wir müssen die anderen Mitglieder des Sicherheitsrates von der Richtigkeit unserer Position überzeugen und dürfen nicht zu rasch aufgeben", erklärte der Exgeneralstabschef John M. Shalikashvili. Gemeinsam mit ihm sagten auch der ehemalige Nato-Militärkommandant Wesley K. Clark und General Joseph P. Hoar aus.

Protestanzeigen

Vergangene Woche hatten bereits 4000 prominente Amerikaner, darunter Susan Sarandon, Jane Fonda, Kurt Vonnegot und Edward Said, in einer ganzseitigen Annonce in der New York Times gegen die Irak-Politik von George Bush protestiert. Sie bezichtigten den Präsidenten der "offen imperialistischen Politik" aus dem "Geist der Rache". (DER STANDARD, Printausgabe, 25.9.2002)

Susi Schneider aus New York
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