"Ein Krieg gegen den Irak könnte selbst Vietnam in den Schatten stellen"

27. September 2002, 14:13
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Nach Jessica Lange äußert auch Paul Schrader beim Filmfestival in San Sebastián offene Kritik am Bush-Kurs

San Sebastian - Nach Jessica Lange kritisierte nun auch der US-Regisseur Paul Schrader die republikanische Administration und die Kriegsvorhaben des amerikanischen Präsidenten. "Die Vereinigten Staaten sind dabei, einen katastrophalen Fehler zu begehen. Ein Krieg gegen den Irak könnte selbst Vietnam in den Schatten stellen", so der Regisseur beim Filmfestival in San Sebastian, wo er seine neuste Produktion "Autofokus" vorgestellt hat.

Der Drehbuchautor von Martin Scorseses "Taxi Driver" und Regisseur von Filmen wie "Katzenmenschen", "Kuss der Spinnenfrau", "Wie ein wilder Stier" oder "Die letzte Versuchung Christi" kündigte auf der 50. Jubiläumsausgabe des Festivals an, bald schon wieder hinter der Kamera zu stehen. Demnächst werde er mit Liam Neeson eine neue Folge von "Der Exorzist" drehen. "Nun gut, ein Film mit einem so großen Budget muss nicht zwangsläufig schlecht sein. Ich glaube, ich kann etwas Intelligentes, sehr Furchterregendes machen", verteidigte Paul Schrader sein zukünftiges "Horror-Projekt".

Die "frische Luft in Europa"

Die US-Schauspielerin Jessica Lange hat beim Filmfestival in San Sebastián am Mittwoch im "Kursaal", dem Veranstaltungsort des Festivals, den Donostia-Ehrenpreis als Anerkennung für ihr Lebenswerk vom spanischen Schauspieler Jose Coronado überreicht bekommen.

Die zweimalige Oscar-Gewinnerin gab sich sichtlich bewegt und erklärte in ihrer kurzen Dankesrede, sie genieße es, in Europa frische Luft atmen zu können. Im "verdorbenen Klima" in den USA sei es für jemanden wie sie, der kein "rechter Falke" sei, derzeit nicht sehr ermutigend, sagte sie in Anspielung auf die laufenden Vorbereitungen für einen Krieg gegen Irak.

"Not In Our Name"

"Was Bush mit dem Irak vorhat, ist verfassungswidrig, unmoralisch und illegal", sagte die 53-Jährige nach Presseberichten vom Donnerstag: "Es ist heute beschämend, aus den Vereinigten Staaten zu kommen". Sie hasse Bush und verachte dessen Regierung, sagte sie. "Bush hat seinen Wahlsieg gestohlen, und dafür müssen wir nun alle zahlen." Sie verstehe nicht, weshalb niemand inner- oder außerhalb der USA die Irak-Politik des US-Präsidenten stoppe. Die Schauspielerin rückte auch von Hollywood ab. "Dort geht es nur um das Geld, nicht um das Kino. Ich habe da nichts zu suchen." Das Theater und das unabhängige Kino bildeten heute einen Ausweg.

Zuvor hatten bereits namhafte amerikanische Schriftsteller, Künstler und Wissenschafter zu landesweiten Protestaktionen gegen die geplante US-Militärintervention im Irak aufgerufen. Vom 5. bis 7. Oktober soll bei Kundgebungen in New York, Los Angeles, San Francisco und anderen Städten gegen die Irak-Politik der US-Regierung und gegen "Unterdrückungsmaßnahmen" im eigenen Land protestiert werden. Die Kampagne "Not In Our Name" (Nicht in unserem Namen) wird unter anderem von den Schauspielerinnen Jane Fonda und Susan Sarandon, den Schriftstellern Kurt Vonnegut und Gore Vidal, sowie den Dramatikern Eve Ensler und Tony Kushner unterstützt.

Dennis Hopper bald als Frankie

Am Dienstag war Dennis Hopper in San Sebastián für seine Schauspiellaufbahn mit dem Donostia-Preis ausgezeichnet. Demnächst wird Hopper an der Seite von Melanie Griffith und "Ally McBeal"-Star Portia de Rossi den Sänger Frank Sinatra verkörpern. Der polemische Film soll vor allem die negativen Seiten des legendären Sinatra biografisch darstellen.

Das noch bis zum Samstag andauernde Festival ehrt in diesem Jahr den deutschen Filmemacher Volker Schlöndorff mit einer umfassenden Werkschau. Vorsitzender der Jury ist der deutsche Filmregisseur Wim Wenders. (APA/dpa)

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    Jessica Lange

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    Paul Schrader

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