Niederschlagung des "Prager Frühlings": KP-Funktionäre freigesprochen

24. September 2002, 11:38
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Staatsanwalt hatte Freiheitsstrafen wegen "Beihilfe zum Landesverrat" gefordert

Prag - Zwei einstige Spitzenfunktionäre der tschechoslowakischen kommunistischen Partei, Milous Jakes und Jozef Lenart, sind am Montag in Prag beim Prozess um die Niederschlagung des "Prager Frühlings" im Jahre 1968 freigesprochen worden. Beiden wurde vom Staatsanwalt Beihilfe zum Landesverrat vorgeworfen. Diesen sollen sie begangen haben, als sie sich nach dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes an der Bildung einer so genannten "Arbeiter-Bauern-Regierung" beteiligen wollten, die die Invasion legalisieren sollte.

Das Prager Gericht, vor dem der Prozess in der vergangenen Woche nach jahrelangen Ermittlungen stattfand, kam damit den Anwälten der Beschuldigten entgegen, die am Freitag um Freispruch für ihre Mandanten gebeten hatten. Demgegenüber hatte der Staatsanwalt eine fünfjährige Gefängnisstrafe für beide Funktionäre gefordert. Für einen Schuldspruch habe man nicht genügend Beweise gefunden, begründeten die Richter ihr Urteil. Ob der Staatsanwalt gegen die Entscheidung berufen wird, war zunächst nicht bekannt.

Spitzenfunktionäre bis zur "Sanften Revolution"

Die Einheiten von fünf Staaten des Warschauer Paktes - der Sowjetunion, Polens, der DDR, Ungarns und Bulgariens - waren in der Nacht vom 20. auf 21. August 1968 in die Tschechoslowakei einmarschiert, um die als "Prager Frühling" bekannte Reformbewegung des damaligen KP-Generalsekretärs Alexander Dubcek niederzuschlagen. Die Mitglieder des Reformflügels innerhalb der Parteiführung, so auch Dubcek, wurden noch in der gleichen Nacht nach Moskau entführt. Der Anti-Reform-Flügel der Partei wollte hingegen mit Hilfe der sowjetischen Bootschaft eine "Arbeiter-Bauern-Regierung" in Prag etablieren. Schließlich scheiterte aber die Bildung dieser Regierung am Widerstand des damaligen, in Moskau sehr respektierten Staatspräsidenten Ludvik Svoboda.

Der heute 80-jährige Jakes und der 79-jährige Lenart waren bis zur "sanfte Revolution" im November 1989 als Spitzenfunktionäre der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei tätig. Jakes übernahm 1987 sogar das Amt des KP-Generalsekretärs von Gustav Husak. Lenart war wiederum einer der Sekretäre des Zentralkomitees. (APA)

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    Scheinbar ein unauffälliger Pensionist wie viele: Milous Jakes

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