Kirch und Springer zeigen sich unversöhnlich

24. September 2002, 15:37
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Weiter Streit um Schadenersatz - Verlagshaus meldet Aufwärtstrend

Im Streit zwischen der Konzernspitze des Axel Springer Verlages und dem bankrotten Medienunternehmer Leo Kirch zeigen sich beide Kontrahenten unversöhnlich. Auf einer von ihm selbst beantragten außerordentlichen Springer-Hauptversammlung am Dienstag in Berlin bekräftigte Kirch seine Vorwürfe. Wegen "irrationaler und pflichtwidriger" Entscheidungen des Springer-Managements verlangte er Schadenersatz.

"Diktat der Verlegerwitwe"

Der Vorstand sei dem Diktat der Verlegerwitwe Friede Springer gefolgt, der es nur darum gegangen sei, den "unliebsamen Aktionär Leo Kirch" aus dem Unternehmen zu drängen, sagte Kirchs Anwalt Ronald Frohne. Der Vorstandschef des Verlages, Mathias Döpfner, wies die Vorwürfe erneut entschieden zurück. Mehrere Kleinaktionäre forderten, Kirch sein Aufsichtsratsmandat zu entziehen.

Kirch gehörten 40 Prozent der Springer-Aktien. Nach dem Untergang seines Imperiums fiel das Paket vergangenen Freitag an die Deutsche Bank, bei der es Kirch für einen Kredit verpfändet hatte.

Springer hatte im Frühjahr eine Verkaufsoption für seine Anteile an Kirchs ProSiebenSat1 Media AG im Wert von 767 Mill. Euro ausgeübt und damit die Finanzkrise des Kirch-Konzerns erheblich verschärft. Kirch wirft nach Worten seines Anwaltes dem Verlag aber nicht vor, für den Untergang seines Medienimperiums verantwortlich zu sein. Die Anträge auf Schadenersatz und Sonderprüfung der umstrittenen Konzernentscheidungen seien "kein Leo-Kirch-Rachefeldzug", meinte Frohne. Die Anträge seien im Einklang mit den Insolvenzverwaltern des Kirch-Imperiums gestellt worden.

Der Springer-Vorstand habe - ungeachtet der angespannten Lage der Kirch-Gruppe - von der "rechtlich zweifelhaften" Option Gebrauch gemacht und alle anderen Lösungen zurückgewiesen. Damit habe der Verlag seinen Aktionären Schaden zugefügt. Wäre die Konzernspitze nicht den Vorgaben von Friede Springer gefolgt, sondern hätte Kirchs Angebot angenommen, wäre der Verlag jetzt im Besitz eines strategisch bedeutsamen 28-Prozent-Paketes an der ProSiebenSat1 Media AG und könnte einen Gewinn im mehrstelligen Millionenbereich verbuchen.

Döpfner verteidigte die Entscheidung. Springer habe alles versucht, um eine Alternative zu finden. Jedoch: "Nach Abwägung aller verfügbaren Informationen und nach eingehender anwaltlicher Beratung blieb uns nichts anderes übrig, als die Option auszuüben." Eine Vereinbarung, die Kirch genutzt, Springer aber Risiken gebracht hätte, wäre nicht sinnvoll gewesen. Der Vorstand habe nichts gegen die von Kirch gewünschte Sonderprüfung, weil er daran interessiert sei, die Vorwürfe Kirchs zu entkräften. Schadenersatzansprüche bestünden nicht.

Döpfners Angaben zufolge ist Springer ungeachtet aller Querelen auf gutem Wege, die schwerste Krise seiner 50-jährigen Geschichte zu meistern. Dem Konzern gehe es "deutlich besser als noch vor einem halben Jahr und deutlich besser als den meisten unserer Wettbewerber. Am Ziel sei das Unternehmen aber noch lange nicht.

Der Springer Verlag hatte 2001 erstmals seit seiner Gründung Verlust gemacht. Im ersten Halbjahr 2002 liege der Gewinn aus operativen Geschäften mit 42 Mill. um acht Mill. Euro über dem Vorjahreswert, sagte Döpfner. Der Halbjahresüberschuss sei nach Steuern und Abschreibungen um 58 auf 72 Mill. Euro gestiegen. Der Umsatzeinbruch gehe jedoch weiter. (APA/AP)

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