Hochsaison für Traubenkraut

25. September 2002, 13:21
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Das aggressive Allergie-Unkraut breitet sich im Herbst rasant aus

Linz - Eine rinnende Nase im September muss nicht immer Schnupfen sein. Von Mitte August bis Ende Oktober hat mit Ragweed (lateinisch Ambrosia) die Pollensaison ihren letzten Höhepunkt. Vor einigen Jahren noch völlig unbekannt, hat sich das Traubenkraut über Ungarn kommend auch in unseren Breiten - bis jetzt noch vorwiegend im Osten und Süden Österreichs - angesiedelt. Das Allergen gilt als eines der aggressivsten Pflanzenallergene, weil es die Entwicklung von Asthma bei sensibilisierten Personen wesentlich beschleunigt. Ein spezieller Impfstoff für Ragweedallergiker ist bereits verfügbar, der eine kausale Therapie ermöglicht und damit das Asthmarisiko wesentlich senkt.

Die natürliche Heimat von Ragweed ist Nordamerika. Die Pflanze aus der Familie der Korbblütler wurde über kontaminierte Samenlieferungen nach Europa eingeschleppt und verbreitet sich von Ungarn kommend seit einigen Jahren auch in Österreich rasant. Die Allergenbelastung steigt jedes Jahr signifikant. Nach bisherigen Untersuchungen der HNO-Univ.-Klinik Wien reagieren im Wiener Raum 25 Prozent der Allergiker, die auf Korbblütler (z. B. Beifuß) allergisch sind, auf Ragweed.

Aggressiv und reiselustig

Prof. Dr. Siegfried Jäger, Biologe an der HNO Univ.-Klinik Wien und Ragweedspezialist untersucht seit Jahren die Konzentration des Allergens in Österreich: "Es sind vor allem die Tieflagen im Osten betroffen, die Belastung setzt sich mit rasanter Geschwindigkeit allerdings bereits bis in den Linzer Raum, in die Bereiche des Murtales und im Klagenfurter Becken fort. Die Allergene werden neben dem Pollenflug u.a. durch den Schmutz auf Autoreifen in neue Gebiete verteilt, weshalb Radweed vor allem an den Rändern der Hauptverkehrsadern vorzufinden ist.." Die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Pflanze beträgt zwischen 6 und 20 Kilometer pro Jahr von Ost nach West. ( Informationen unter http://www.cat.at/pollen )

Jede Ragweed-Pflanze gibt jährlich Millionen von Pollenkörnern an ihre Umgebung ab, die bis zu 300 km weit fliegen können. Die Pollen gelten als eines der aggressivsten Pflanzenallergene, das schwere Rhinitissymptome und sehr oft Asthma auslösen kann. Dass das Ragweed-Problem sehr ernst genommen wird, zeigen strenge Gesetze zur Eindämmung der Verbreitung der Pflanze. In Ungarn wird z. B. die Bevölkerung mit Steckbriefen über die Gefahren des Unkrauts informiert und aufgerufen, Ragweedpflanzen wo immer sie wachsen auszureißen. In Kanada – einem Ursprungsland von Ragweed - drohen Grundbesitzern, die Ragweedpflanzen nicht entfernen, hohe Geldstrafen.

Allergieimpfung für Ragweed-Patienten

"Ragweed ist ein sehr aggressives Allergen; gegenüber Ragweed sensibilisierte Menschen reagieren auch schon auf geringe Pollenmengen. Außerdem entwickeln ragweed-sensibilisierte Patienten wesentlich leichter Asthma", erklärt Prof. Jäger. Eine wichtige Möglichkeit, um kausale Atemwegserkrankungen zu verhindern ist die Therapie mittels Allergieimpfung oder Hyposensiblisierung. Für Ragweed-Allergiker wurde ein spezieller Impfstoff entwickelt. Durch regelmäßige Injektionen wird das Immunsystem des Patienten schrittweise an das Allergen gewöhnt und der chronische Verlauf der allergischen Erkrankungen verhindert.

Die Allergieimpfung wird von Fachärzten und in Allergieambulatorien durchgeführt. Sie ist in Spritzen- und in Tropfenform erhältlich. Die Kosten werden zur Gänze von der Krankenkasse übernommen. (pte)

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    derstandard.at
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