Belgien erlaubt aktive Sterbehilfe

23. September 2002, 19:36
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Gesetz noch liberaler als in den Niederlanden - Internationale Kritik

Brüssel - In Belgien trat am Montag das umstrittene Gesetz zur eingeschränkten Legalisierung der Sterbehilfe in Kraft, es wird als liberaler als jenes der Niederlande angesehen. Das Gesetz erlaubt die Tötung auf Verlangen auch für unheilbar kranke Menschen, die den Tod noch nicht vor Augen haben, sowie für Personen mit einem andauernden psychischen Leiden.

Die Sterbehilfe ist auf Erwachsene im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte beschränkt, geistig Behinderte oder Demenzpatienten haben keinen Zugang.

Eine Kontrollkommission soll über die Einhaltung strenger Bedingungen wachen, entschied die sozialliberale belgische Regierungsmehrheit bei der Beschlussfassung. Es kann jedoch kein Arzt zur Durchführung der Sterbehilfe gezwungen werden. Eine Aufnahme der aktiven Sterbehilfe in die Liste der Patientenrechte wurde vom belgischen Parlament abgelehnt.

Das Gesetz wurde bereits im Mai dieses Jahres beschlossen, damals wie heute trifft es auch auf internationale Kritik. In Wien erklärte die ÖVP-Abgeordnete Edeltraud Gatterer am Montag, das Gesetz "verstößt gegen die Europäische Menschenrechtskonvention", das Recht auf Leben lasse den Umkehrschluss - ein Recht auf den eigenen Tod - nicht zu. (DER STANDARD, Printausgabe, 24.9.2002)

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