Bis zu drei Jahre Haft für Jäger

24. September 2002, 13:44
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Toter Soldat: Staatsanwalt geht von Verschulden des Schützen aus

Eisenstadt - Die Ergebnisse von Obduktion und Alkoholtest liegen vor, auch die Ermittlungsgruppe des Innenministeriums hat ihre Arbeit am Tatort abgeschlossen. Dennoch konnte bis Montag nicht geklärt werden, wie die Kugel des Jägers ihr Ziel derart hatte verfehlen können, dass sie einen Grundwehrdiener tödlich in den Kopf traf. Aber, schränkte Staatsanwalt Wolfgang Swoboda ein, "es ist kaum vorstellbar, dass kein Verschulden vorliegt".

Wie berichtet, war ein 20-jähriger Soldat Donnerstagabend während einer Bundesheerübung bei Pinkafeld im Bezirk Oberwart von einem 44-jährigen Jagdaufseher erschossen worden. Der Schütze gab an, auf ein Wildschwein in rund 60 Metern Entfernung gezielt zu haben. Getroffen wurde der junge Mann in etwa 180 Metern Entfernung.

Das Militärkommando Eisenstadt beteuerte, dass seitens des Bundesheeres keinerlei Verschulden vorliege. Der Jäger, bei dem ein sofortiger Bluttest laut Staatsanwalt "0,0 Promille Alkoholgehalt" ergeben hat, kann sich die Tragödie nicht erklären. "Dass der Fehler bei ihm liegt, scheint aber klar zu sein", erklärt Swoboda. "Wir ermitteln wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen. Darauf stehen bis zu drei Jahre Haft."

Als Konsequenz soll die Kommunikation zwischen Bundesheer und örtlicher Jägerschaft verstärkt werden, in Kärnten soll überhaupt ein Nachtjagdverbot gelten, wenn in der Umgebung Heeresübungen stattfinden. Für Madeleine Petrovic von den Grünen reicht das jedoch nicht aus. Sie fordert eine Überprüfung der Jagdgesetze und der Zuverlässigkeit der Jäger, auch Nachschulungen sollen vorgenommen werden. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 24.9.2002)

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