Flugrettung: Die Hilfe kann teuer werden

23. September 2002, 19:53
1 Posting

Ungleichbehandlung von Tiroler Patienten

Innsbruck - Noteinsätze mit dem Rettungshubschrauber können für die Patienten in Tirol unterschiedliche finanzielle Folgen haben. Kamen die Retter vom ÖAMTC, kostet der Einsatz nichts, andernfalls können Rechnungen bis 4300 Euro ins Haus flattern.

Es dürfe für Verunglückte keinen Unterschied machen, von wem sie geborgen werden, meint deshalb Walter Guggenberger, Klubobmann der SPÖ im Landtag. Dem Leiter des Katastrophenschutzes im Landhaus, Herbert Biasi, ist das Problem bekannt, eine Lösung ist jedoch nicht in Sicht.

Als das Land vor knapp 20 Jahren im ÖAMTC einen Betreiber für die Notarzthubschrauber fand, wurde ein Vertrag abgeschlossen. Die Basissubvention beträgt heuer 580.000 Euro, zusätzlich zahlt die Gebietskrankenkasse für jeden Einsatz 900 Euro. Der ÖAMTC gibt sich damit zufrieden, obwohl von Direktor Walter Ploner betont wird, dass im vorigen Jahr ein Abgang von 360.000 Euro entstanden sei.

Die in den vergangenen Jahren zahlreich gewordene Konkurrenz erhält nur den Zuschuss der Krankenkasse und verrechnet die Differenz zu den tatsächlichen Kosten den Patienten. Derzeit sind in Tirol 14 Hubschrauber stationiert, vier davon betreibt der ÖAMTC. Zu viele, betont Ploner, die Auslastung betrage derzeit nur 70 Prozent.

Und: Die Einsätze sind schlecht koordiniert. Notrufe werden entweder vom Roten Kreuz bezirksweise an die Flugretter weitergegeben oder erfolgen direkt bei diesen. Das von Landesrätin Elisabeth Zanon-zur Nedden (VP) vorgelegte Flugrettungsgesetz sieht neben Mindeststandards auch die Einrichtung einer Koordinationsstelle vor, die den Einsatz des am nächsten stationierten Hubschraubers sichern soll.

Die Ungleichbehandlung der Patienten wäre damit aber nicht beseitigt. Guggenbergers Vorschlag, den Subventionstopf aufzufüllen, kann Biasi nichts abgewinnen, weil das einer Ausfallshaftung zugunsten der Betreiber gleichkäme. Realistischer ist Ploners Perspektive: Nach Durchsetzung gleicher Standards sei denkbar, dass das Land nicht mehr pauschal, sondern die einzelnen Einsätze aller Betreiber subventioniert. (hs/DER STANDARD, Printausgabe, 24.9.2002)

Share if you care.