Proteste gegen US-Kriegspläne

24. September 2002, 15:23
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Kundgebungen in New York, Los Angeles und San Francisco geplant

New York - Namhafte amerikanische Schriftsteller, Künstler und Wissenschaftler haben in einem Appell zu landesweiten Protestaktionen gegen die geplante US-Militärintervention im Irak sowie gegen "Unterdrückungsmaßnahmen" im eigenen Land aufgerufen. Bei Kundgebungen in New York sowie in Los Angeles, San Francisco und anderen Städten solle zwischen dem 5. und 7. Oktober der Angriffskurs der Regierung verurteilt werden, erklärten die Organisatoren der Kampagne "Not In Our Name" (Nicht in unserem Namen) am Montag in New York.

Dem Appell haben sich nach Angaben der Gruppe Hunderte von Persönlichkeiten angeschlossen. Er werde unter anderem von den Schauspielerinnen Jane Fonda und Susan Sarandon, den Schriftstellern Kurt Vonnegut und Gore Vidal, den Dramatikern Eve Ensler und Tony Kushner sowie von mehreren Universitätsprofessoren unterstützt. Die größte Protestkundgebung werde am 6. Oktober im New Yorker Central Park erwartet, hieß es. Bereits vor Wochen hatten sich zahlreiche andere US-Intellektuelle hinter den Kurs der Bush-Regierung gestellt und unter anderem die Militäraktionen in Afghanistan als "gerechten Krieg" eingestuft.

Die Gruppe "Not In Our Name" hatte erstmals am vergangenen Donnerstag mit einer ganzseitigen Anzeige in der "New York Times" zum Widerstand gegen die Politik der US-Regierung nach den Terroranschlägen vom 11. September aufgerufen: "Die Unterzeichner dieser Erklärung fordern das Volk der Vereinigten Staaten auf, sich der Politik beziehungsweise der generellen politischen Richtung seit dem 11. September 2001 zu widersetzen, da dies alles eine ernste Gefahr für die Menschen in der Welt bedeutet."

Die Regierung in Washington habe "den Geist der Rache" entfesselt, heißt es in dem Appell weiter. "Eine simplifizierte Botschaft von 'Gut und Böse' wurde entworfen und durch die ebenso glatten wie eingeschüchterten Medien verbreitet. Man sagte uns, die Frage nach dem Grund für diese schrecklichen Ereignisse grenze an Verrat. Eine Debatte wurde nicht gestattet."

Die Gegner des US-Regierungskurses werfen Washington auch vor, unter dem Motto "Kampf dem Terror" in vielen Teilen der Welt Konflikte und Spannungen verschärft zu haben - "auf den Philippinen ebenso wie in Palästina, wo die Panzer beziehungsweise Bulldozer der Israelis ja eine Spur der Verwüstung und des Todes gezogen haben". Während die USA einen Krieg gegen den Irak vorbereiteten, der "nichts mit dem Horror des 11. September zu tun hat", stelle sich die Frage: "Was für eine Welt wird das sein, in der die US-Regierung praktisch Blankovollmacht besitzt, überall und wo immer sie will Bomben abzuwerfen, ihre Militärkommandos oder Mörder einzuschleusen?"

Über den Appell wurde in der amerikanischen Presse bisher so gut wie nichts berichtet. Die Organisatoren der Kampagne riefen deshalb auch zu Geldspenden auf, um weitere Anzeigen in US-Zeitungen schalten zu können. (APA/dpa)

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    foto: derstandard.at
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