Auf und Ab bei der Union

23. September 2002, 17:31
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FDP in stiller Verliererstimmung

  • 18.01 Uhr - Die Prognosen sehen ein Kopf-an-Kopf-Rennen, die CDU/CSU wäre demnach stärkste Fraktion: Jubel bricht aus bei der CDU im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin und bei der CSU im Saal der Hanns-Seidel-Stiftung in München. Umso betrübter ist die Stimmung unter den FDP-Anhängern im Berliner Thomas-Dehler-Haus. Dort tagt der Parteivorstand noch hinter verschlossenen Türen, um über Jürgen Möllemann zu entscheiden.

  • 18.47 Uhr - Edmund Stoiber tritt gemeinsam mit Angela Merkel im Konrad-Adenauer-Haus auf die Bühne, "Edi, Edi!"-Rufe empfangen die beiden. Der Kanzlerkandidat sagt strahlend: "Wir haben die Wahl gewonnen." Merkel ist etwas vorsichtiger: "Eines steht fest, es ist ein guter Abend für die Union." Grund für die Freude: Den ganzen Abend lang erscheint die CDU/CSU in allen Hochrechnungen als stärkste Fraktion. Dies hat in Deutschland allerdings nicht automatisch den Auftrag zur Regierungsbildung zur Folge.

  • 19.05 Uhr - Eine Hochrechnung sieht die CSU in Bayern bei über 60 Prozent. Im Laufe des Abends zitiert Stoiber diesen Erfolg immer wieder mit besonderem Stolz. Am Ende erringt die CSU in Bayern 58,6 Prozent. Die Christsozialen kommen damit bundesweit auf neun Prozent und liegen so vor den Grünen.

  • 19.06 Uhr - Seit über einer Stunde hatte sich kein hoher FDP-Vertreter in der Öffentlichkeit gezeigt. Jetzt tritt die Parteispitze gemeinsam auf die Bühne. Guido Westerwelle bedankt sich sichtlich betrübt bei allen Mitarbeitern. Und er verkündet: "Das Präsidium hat Jürgen Möllemann gebeten, seinen Posten als Stellvertreter zur Verfügung zu stellen." Westerwelle hofft aber weiter: "Es könnte noch für Schwarz-Gelb reichen."

  • 19.20 Uhr - Kandidat Stoiber sieht sich bereits in Berlin an der Regierung. Er sagt im ZDF auf die Frage, ob hier der kommende Bundeskanzler stehe: "Ich hoffe und ich glaube: Ja."

  • 20.22 Uhr - In der "Elefantenrunde" der Parteichefs im Fernsehen sagt Stoiber: "Ich freue mich, dass die CDU/CSU die Wahl gewonnen hat".

  • 20.30 Uhr - Die ÖVP gratuliert dem "Wahlsieger" Stoiber.

  • 20.37 Uhr - Alle großen TV-Sender sehen nun übereinstimmend für Rot-Grün eine hauchdünne Mehrheit. Das ändert sich im Laufe des Abends nicht mehr. Das ZDF sagt zudem fünf Überhangmandate für die SPD voraus.

  • 23.43 Uhr - Die Hochrechnungen sehen die CDU/CSU immer noch als stärkste Fraktion im Bundestag.

  • 23.55 Uhr - Stoiber zieht unter Jubel und Blasmusik auf der Münchener Wahlparty ein. Er werde "binnen Jahresfrist die Regierung neu bilden können", meint er angesichts der nach den Hochrechnungen weiterhin nur knappen Mehrheit von Rot-Grün. Er spottet zudem, es sei "vielleicht auch noch ein Stück Gerechtigkeit dabei, dass Schröder noch einige Monate erleben muss, was er alles angerichtet hat".

  • 0.21 Uhr - Das ZDF sieht die SPD erstmals als stärkste Fraktion, die ARD schwenkt eine halbe Stunde später auch auf diese Prognose ein. Die Hoffnung der Union, zumindest den Präsidenten des Bundestags zu stellen, zerstreuen sich damit. Nach der Aussicht auf das Kanzleramt hat sich auch das Ziel, stärkste Partei zu werden, aufgelöst. Auf der CSU-Wahlparty hält die gute Stimmung bis tief in die Nacht aber weiter an.

  • 3.45 Uhr - Der Bundeswahlleiter verkündet das vorläufige amtliche Endergebnis. Die CDU/CSU liegt 8864 Stimmen hinter der SPD und gewinnt ein Überhangmandat. (jwo/DER STANDARD, Printausgabe, 24.9.2002)
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