Lostag für CyberTron

23. September 2002, 17:05
posten

Gläubiger entscheiden, ob sie Ausgleich zustimmen

Das Schicksal der insolventen Wiener Telefongesellschaft CyberTron hängt an einem seidenen Faden. In der für Dienstag, angesetzten Tagsatzung werden rund 460 Gläubiger entscheiden, ob sie dem angebotenen Ausgleich zustimmen. Ausgleichsverwalter Peter Schulyok hofft darauf, eine Barquote von 7 Prozent durchzubringen. Dies werde der "Knackpunkt" sein, sagte der Wiener Insolvenz-Profi Montagnachmittag zur APA.

"10 Prozent sind sicher nicht drin"

Zuletzt hatten die Gläubiger wie berichtet eine Barquote von 5 bis 10 Prozent verlangt. "10 Prozent sind sicher nicht drin", so Schulyok. Sollte es morgen eine Einigung auf 7 Prozent geben, hätte die börsennotierte CyberTron die Barquote voraussichtlich im Dezember zu bezahlen. Die Gläubigerschutzgemeinschaften KSV und AKV hätten bereits Zustimmung signalisiert, der ebenfalls im Gläubigerausschuss vertretene Insolvenzfonds habe sich zuletzt jedoch noch nicht festgelegt.

Anschlusskonkurs

Ein Anschlusskonkurs könnte bis Dezember trotzdem noch drohen, fügte Schulyok hinzu. Um das endgültige Aus zu vermeiden, müsste das angemeldete Forderungsvolumen von rund 84 Mill. Euro auf unter 30 Mill. Euro gebracht werden. Wie der Ausgleichsverwalter erklärte, sei ein erheblicher Teil der Forderungen strittig (darunter etwa Forderungen der Telekom Austria (TA), der Softwarefirma YLine oder der "Kronenzeitung"). Entscheidend werde auch sein, zu einer Lösung bei den zahlreichen Leasingverträgen zu kommen.

Für Schulyok ist der Ausgleich somit nur erfüllbar, wenn die Gläubiger "erhebliche Verzichtserklärungen für die Verbindlichkeiten abgeben". Eine Reihe von Rückstehungserklärungen gebe es mittlerweile. Das finanzielle Potenzial CyberTrons zur Schuldentilgung, unter anderem aus Provisionen des laufenden Geschäfts, bezifferte der Wiener Anwalt heute mit 9,6 Mill. Euro.

Nur noch zehn Mitarbeiter

Von CyberTron ist nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens am 28. Juni 2002 nicht viel übrig geblieben. Die nach wie vor börsenotierte Company wird gegenwärtig in stark reduziertem Umfang (laut Schulyok mit möglichst wenig unternehmerischen Risiken) und in Kooperation mit dem alternativen Telekomanbieter UTA fortgeführt. Inzwischen hat CyberTron von den vor der Insolvenzanmeldung beschäftigten 107 Mitarbeitern nur noch 10 Leute (ohne Vorstand).

Zweitgrößte Insolvenz des Jahres

CyberTron, nach Libro heuer die bisher zweitgrößte Insolvenz in Österreich und die bis dato größte in Wien, musste den Gang zum Insolvenzgericht antreten, nachdem die Telekom Austria (TA) dem alternativen Telekombetreiber wegen unbeglichener Rechnungen in Höhe von 5,5 Mill. Euro die Telefonleitungen gekappt hatte.

An der Wiener Börse notierte die CyberTron-Aktie am Nachmittag mit 12 Euro-Cent um 20 Prozent höher, seit Juni dieses Jahres befindet sich der Titel im Club der "Penny-Stocks". Die Telekomaktie wurde im Dezember 1999 zu einem Ausgabepreis von 11 Euro an der Börse emittiert.(APA)

Share if you care.