Mobilkom mit erstem nationalen UMTS-Netz Europas

24. September 2002, 13:57
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Mittwoch startet Testbetrieb in allen Landeshauptstädten - Nokia präsentiert UMTS-Handy am Donnerstag

Als europaweit erstes Unternehmen startet die österreichische Mobilkom am Mittwoch ein nationales Mobilfunknetz der dritten Generation, UMTS. Geplant ist zu Beginn ein Betrieb in allen Landeshauptstädten.

Nur eine kleine ausgewählte Zahl von Kunden

In der ersten Phase wird laut Unternehmenskreisen nur eine kleine ausgewählte Zahl von Kunden (friendly customers) den neue UMTS- Service nützen können. Der Grund: Bisher seien noch keine Endgeräte in ausreichender Zahl lieferbar. Die Mobilkom wollte dazu vorerst keine Stellungnahme abgeben. Mobilkom-Chef Boris Nemsic hatte aber zuletzt für heuer nur einen Testbetrieb angekündigt. Der kommerzielle Launch ist laut bisherigen Angaben Nemsics im Jahr 2003 geplant.

100 Millionen Euro für Basisnetz

Für das UMTS-Basisnetz hat die Mobilkom nach früheren Angaben rund 100 Mill. Euro investiert. Insgesamt will das Unternehmen bis 2010 rund 600 bis 700 Mill. Euro für UMTS-Equipment ausgeben. UMTS-Betreiber in Österreich müssen laut Lizenzvorgabe bis Ende 2003 ein Viertel der Bevölkerung, bis Ende 2005 die Hälfte der Bevölkerung mit UMTS versorgen.

Massenmarkt für UMTS nicht vor 2004 erwartet

Mit den Erwartungen für die dritte Mobilfunkgeneration gab sich die Mobilkom zuletzt wiederholt zurückhaltend. Mobilkom-Chef Nemsic erklärte in einer Pressekonferenz etwa, er rechne mit einem Massenmarkt nicht vor 2004.

Aufbau UMTS

Neben der Mobilkom bauen derzeit auch T-Mobile Austria (Ex-max.mobil), One, tele.ring und der chinesische UMTS-Lizenzinhaber Hutchison an österreichischen UMTS-Netzen. T-Mobile und One wollen noch in diesem Jahr ebenfalls mit einem Testbetrieb starten. Hutchison und tele.ring planen einen Start erst im nächsten Jahr. Die spanische Telefonica, die ebenfalls eine österreichische UMTS-Lizenz erworben hat, hat ihre Pläne wieder gestoppt.

Mobilkom vor Hutchison

Nach der Mobilkom wird voraussichtlich in nächster Zeit nur noch Hutchison in Großbritannien das UMTS-Zeitalter einläuten. Zu Jahresende sollen auch in Italien die ersten Dienste der dritten Mobilfunkgeneration on Air gehen. Die finnische Sonera, von der die Branche lange Zeit erwartete, dass sie die erste sein würde, will nun wie alle deutschen und auch die meisten anderen großen europäischen Player erst im nächsten Jahr starten.

Nokia präsentiert UMTS-Handy am Donnerstag

Schuld sind laut Ansicht der Branche die Handy-Erzeuger, die nicht rechtzeitig mit Geräten auf den Markt kommen. Kommenden Donnerstag, einen Tag nach dem UMTS-Start der Mobilkom, will der weltgrößte Handy-Erzeuger Nokia sein erstes UMTS-Modell vorstellen. Der US-Mobiltelefonhersteller Motorola hat sein Gerät bereits im Februar auf der Mobilfunkmesse in Cannes gezeigt. Dennoch würden es die beiden großen Zulieferer nicht schaffen, zu den vereinbarten Terminen einwandfrei funktionierende Handys zu liefern, kritisiert die Branche.

Troubles

Gleichzeitig gibt es aber auch gegenteilige Stimmen. "Die Anbieter haben zunehmend Schwierigkeiten, den Aufbau ihrer UMTS-Netze hinzubekommen", meint etwa Carole Manero vom in Montpellier ansässigen Institut Idate, das sich auf Studien zum Telekommunikationsmarkt spezialisiert hat. "Sie kämpfen mit einer kolossalen Verschuldung und können die versprochenen Investitionen oft nicht einhalten."

Am deutlichsten zeigte sich der Trend in Schweden: Dort fragte die France Telecom-Tochter Orange bei der Regulierungsbehörde an, ob der vorgeschriebene Termin für den Aufbau der milliardenteuren Netze nicht um drei Jahre verschoben werden könne.

Bessere Bedingungen

In Italien schlugen die Besitzer der teuer erstandenen UMTS-Lizenzen Ende Juli bereits deutlich bessere Bedingungen heraus: Rom verlängerte die Laufzeit der Lizenzen von 15 auf 20 Jahre, wodurch die Firmen mehr Zeit bekommen, ihre hohen Investitionen bei den Kunden wieder hereinzuholen.

Zu spät

Doch solch halbherziges Nachbessern bei den Lizenzbedingungen kommt für viele Anbieter zu spät. Am radikalsten verabschiedete sich jüngst der spanische Telefonica-Konzern von seinen europaweiten UMTS-Träumen. Von der Zentrale in Madrid wurden nicht nur in Österreich sondern bei allen Töchtern außerhalb Spaniens sämtliche UMTS-Investitionen auf Eis gelegt. Ob je wieder Geld fließt, ist völlig offen.(APA)

  • Das derStandard.at- Bechertelefon im Einsatz.
    foto: derstandard.at

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    foto: derstandard.at
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