Côte d'Ivoire meldet Erfolg gegen Rebellen

24. September 2002, 18:28
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Fremdenlegionäre schützen Ausländer

Das staatliche Radio der Côte d'Ivoire meldete am Dienstag, Regierungstruppen seien in die von Rebellen gehaltene Stadt Bouaké eingedrungen. Anwohner berichteten per Telefon von schwerem Gewehrfeuer. Aufständische behaupteten jedoch, sie kontrollierten die Lage in der zweitgrößten Stadt des Landes.

Meuternde Soldaten halten seit letztem Donnerstag Bouaké und Korhogo im Norden des Landes besetzt; in der wirtschaftlichen Metropole Abidjan scheiterte hingegen der Putschversuch, der bisher an die 300 Menschenopfer gefordert haben dürfte.

Französische Fremdenlegionäre rückten Richtung Norden vor, um die 600 Landsleute sowie 300 US-Bürger - mehrheitlich Missionarskinder - notfalls zu evakuieren. Nach offizieller Darstellung in Paris sollen sie nicht in die Kämpfe eingreifen. Wie üblich in solchen Fällen, ist es schwer zu unterscheiden, ob die Soldaten nur französische Staatsangehörige "schützen" - sogar Pariser Zeitungen setzen diesen Begriff in Anführungszeichen - oder ob sie die Regierungstruppen unterstützen sollen.

Staatspräsident Laurent Gbagbos Sprecher bezeichnete die Rebellen als "Terroristenbanden" und "Meuterer", die von "Schurkenstaaten" - gemeint ist in erster Linie das Nachbarland Burkina Faso - angestiftet würden. Pariser Afrika-Experten sprechen allerdings von einem Machtkampf zwischen Verteidigungsminister Moïse Lida Kouassi und - dem beim Putschversuch getöteten - Innenminister Emile Boga Doudou. Dies schließt nicht aus, dass die Spannungen auf ethnischen und konfessionellen Spannungen beruhen: Die 35 Prozent "Ausländer" in Côte d'Ivoire, zumeist muslimischen Glaubens und burkinischer Abstammung, leben vor allem im Landesnorden, wo die Rebellion am meisten Erfolg hat. (DER STANDARD, Printausgabe, 25.9.2002)

Stefan Brändle aus Paris
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